Zeitung Heute : Vorstand des Fertighausherstellers Frank Weise über Modulsystem

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Faszinierend sei die Idee schon, sagt Frank Weise, nur die Umsetzung wohl nicht unproblematisch. Deshalb sieht der Vorstandsvorsitzende der Streif AG - einer Tochter des Baukonzerns Hochtief - keine große Konkurrenz für sein Unternehmen von Seiten jener in Produktionshallen montierten, per Hubschrauber ausgelieferten Fertighäuser. Eine solche Automatisierung der Arbeitsabläufe, erklärte Weise im Gespräch mit dieser Zeitung, scheitere oft daran, dass ihre Standards zu wenig Rücksicht auf die Kunden nähmen. Allerdings war auch der umgekehrte Ansatz, eine Individualisierung und Veredelung von Fertigbauten, nicht wirklich zukunftsweisend. Diese Erfahrung machte die Streif AG in den vergangenen Jahren. Weise will nun mit einem "Modulkonzept" die Weichen wieder auf Erfolg stellen.

Zählte die Streif AG vor Jahren zu den größten Anbietern von Fertighäusern, liefert das Werk nach Angaben des Vorstands derzeit rund 600 Fertighäuser jährlich aus. Damit setzte die AG rund 145,6 Mill. DM um und erlöste einen Überschuss von 13,1 Mill. DM. Die Großen der Branche wie Kampa oder Weber montieren pro Jahr über 1000 Einheiten. Dieses Ziel hat Weise vor Augen. Dazu diene ein Vertrieb im Franchise-System. Als "Eintrittskarte" müsse der Franchise-Nehmer ein Musterhaus auf eigenem Baugrund montieren und dann eine jährliche Gebühr an die Zentrale in Weinsheim entrichten. Dieses Geld nutze der Franchise-Geber, um für das Streif-Haus zu werben und um die Franchise-Nehmer fortzubilden.

"Wir haben die Schwellenhaushalte als Kunden verloren, weil wir individuelle Produkte produzierten", sagt Weise. Nun will der Vorgesetzte von derzeit 575 Mitarbeitern mit einem neuen Modulsystem gegensteuern. Das biete günstige Preise in der "Basisversion" und eine Vielzahl von Ausstattungsvarianten gegen Aufpreis. Die Kunden können das Ergebnis vor Bestellung am Computer-Schirm begutachten. Variationen seien sowohl im äußeren Erscheinungsbild als auch beim Innenausbau möglich. Der Einstiegspreis betrage 2000 DM für das schlüsselfertige Haus, bei aufwendiger Ausstattung "nach oben hin offen".

Um das Unternehmen auf Kurs zu bringen, hat Frank Weise "alles ausgegliedert, was nicht zum Kerngeschäft gehört". Sogar den Service lagerte er aus. Diese Dienstleistungen stellt Pflege und Erweiterung einst erworbener Fertighäuser sicher. Über 70 000 Holztafelbauten habe Streif insgesamt ausgeliefert, und die Häuser bedürften einer regelmäßigen "Wartung": zum Beispiel alle fünf Jahre ein neuer Anstrich zur Pflege des witterungsempfindlichen Baustoffes. Mit der Umstrukturierung sollen nun private Unternehmer auf eigene Rechnung, aber im Auftrag des Fertighausproduzenten dem Kundenstamm zur Seite stehen.

Frank Weise ist davon überzeugt, dass Fertighäusern die Zukunft gehört, schon deshalb, weil die vorgefertigten Bauten einfacher zu vernetzen seien als gemauerte Häuser. Elektronische Systeme erlaubten eine automatische Steuerung von Fenstern, Türen, Licht, kurz alle elektrisch gesteuerte Apparaturen. So sei das intelligente Haus bald Standard.

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