VORTRAGJürgen Trabant über Wissenschaft und Mehrsprachigkeit : Erkenntnis und Wortzauber

Gregor Dotzauer

Über ein Vierteljahrhundert lang lehrte er Sprachwissenschaft bei den Romanisten an der Freien Universität, wenn ihn nicht gerade eine Eliteuni für eine Gastprofessur verpflichtet hatte. Jürgen Trabant dürfte auf dem Gebiet des europäischen Sprachdenkens und seiner Entwicklung der prominenteste und produktivste Wissenschaftler sein, den dieses Land in den letzten Jahrzehnten hervorgebracht hat. Keiner wäre eher berechtigt, ein Buch mit der unbescheidenen Frage „Was ist Sprache?“ zu überschreiben. Denn man darf, wie das Ergebnis (C. H. Beck Verlag, München 2008) zeigt, damit rechnen, von ihm eine ebenso systematische wie verständliche Antwort zu bekommen.

Statt auf die staatliche Zwangsemeritierung zu warten, die deutsche Professoren mit 68 Jahren erwartet, hat Trabant an der privaten Bremer Jacobs University vor kurzem den „Conrad Naber Chair for European Plurilingualism“ übernommen. Doch für einen Mittwochsvortrag im Zentrum für Literatur- und Kulturforschung kehrt er jetzt nach Berlin zurück. „Über die Mehrsprachigkeit der Wissenschaften“ will er sprechen, und in der Ankündigung heißt es, Philosophie habe immer über Sprache geklagt: „Sprache stört bei der wahren wissenschaftlichen Erkenntnis. Die Sprachkritik beruhigt sich dann aber für ein paar Jahrhunderte, auch weil es ohnehin nur eine Sprache gibt, die das universelle Denken universell zu repräsentieren scheint: Latein. Sobald aber die Vulgärsprachen in den wissenschaftlichen Diskurs aufsteigen, beginnt das große Lamento.“ Mit Blick auf das universelle Englisch von heute kann das spannend werden. Gregor Dotzauer

Zentrum für Literatur- und Kulturforschung,

Mi 7.1., 20 Uhr, Eintritt frei

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