Zeitung Heute : VW auf dem Weg zur Spitze

Ingo von Dahlern

Volkswagen strebt nach Höherem - genau genommen in die automobile Oberklasse, in der sich neben den traditionsreichen S-Klasse-Modellen aus Stuttgart und dem soeben erst in seiner neuesten Generation vorgestellten 7er-BMW aus München unter den deutschen Herstellern bislang nach jahrzehntelangem zähen Ringen inzwischen auch die Ingolstädter mit ihrem großen Audi A8 etablieren konnten. Und nachdem der neue Oberklasse-Volkswagen als Studie D1 bereits bei zahlreichen Autoausstellungen in verschiedenen der Serie immer näher kommenden Entwürfen für Aufsehen sorgte, präsentiert Wolfsburg nun die ersten offiziellen Bilder ihres neuen 5,06-Meter-Autos, mit dem der Sprung in den Olymp gelingen soll.

Dabei setzt man in Wolfsburg auf eine 1,90 Meter breite Stufenhecklimousine, die mit ihrer markanten Front mit dem kräftigen Chromgrill und der pfeilförmig konturierten Motorhaube sowie den ausdrucksvollen High-Tech-Scheinwerfern keinen Zweifel aufkommen lässt, welch hohen Anspruch sie vertritt, und zugleich sehr schlüssig an das sehr konsequent entwickelte typische VW-Design anknüpft. Nicht weniger kraftvoll präsentiert sich das Heck und einen besonderen Akzent in der eleganten Seitenlinie setzt das dritte Seitenfenster mit seiner unverwechselbaren Form.

Verzinkter Stahl und Aluminium

Wer so weit hinaus will wie Volkswagen mit dem D1, dessen endgültiger Name noch im Dezember enthüllt werden soll, wenn die wegweisende Gläserne Manufaktur von Volkswagen im Zentrum Dresdens eröffnet wird, in der künftig bis zu 100 Limousinen pro Tag gebaut werden sollen, muss auch technisch viele neue Akzente setzen. Der neue Oberklasse-Volkswagen tut das unter anderem mit einem beispiellosen Motorenprogramm, einer wegweisenden Fahrwerkstechnik und neuen Akzenten bei der Karosseriestruktur. Hier setzt man in Wolfsburg allerdings nicht auf eine reine Aluminiumkarosserie wie die Ingolstädter Konzerntochter, sondern eine interessante Kombination aus stählerner Grundstruktur und zahlreichen Leichtmetall-Elementen. So sind die vollverzinkten Stahlstrukturen der D1-Karosserie mit einer Fronthaube, einem Heckdeckel und Türen aus Aluminium kombiniert, wobei die Türen aus einem lasergeschweißten Alu-Druckguss-System in ihrer Steifigkeit neue Maßstäbe setzen.

Fünf Motoren vorgesehen

Die setzt auch das Motorenprogramm, das einmal fünf verschiedene Aggregate einschließen wird. An den Start geht der neue Oberklasse-Volkswagen dabei mit zwei Benzinern - einem 3,6-Liter-V6 mit einer Leistung von 177 kW (241 PS), der ein höchstes Drehmoment von 315 Nm bereit stellen wird, und einem 6,0-Liter-W12-Motor, der 309 kW (420 PS) leistet und ein höchstes Drehmoment von 550 Nm liefert - und das in einem Bereich, der zwischen 3500 und 4750/min liegt. Ein Aggregat der Spitzenklasse, das seinen ersten Auftritt bereits im Audi A8 L 6.0 quattro W12 hat.

Der kräftige W12-Motor ist ein aus Aluminium und Magnesium gefertigtes Triebwerk, das genau genommen eine Kombination aus zwei der für Volkswagen so typischen VR6-Motoren mit dem extrem kleinen Zylinderwinkel von nur 15 Grad zusammengefügt ist und mit einem Zylinderwinkel von 72 Grad zwischen den beiden VR6-Motoren mit einer Länge von gerade einmal 51,3 Zentimeter - damit ist er kürzer als der Golf-Vierzylinder - und einer Breite von nur 69 Zentimeter zu den kompaktesten Höchstleistungstriebwerken der Welt gehört. Und was den Audi-Zwölfzylinder binnen 5,8 Sekunden die Tempo-100-Marke und nach schon 20 Sekunden Tempo 200 erreichen lässt, wird auch dem neuen Oberklasse-Volkswagen vergleichbare Fahrleistungen ermöglichen.

Akzente setzt Volkswagen aber auch mit dem dritten Triebwerk, das ein hochmoderner direkt einspritzender Turbodiesel ist. Mit ihm krönt Volkswagen sein inzwischen 25-jähriges Engagement in der Diesel-Entwicklung mit dem weltweit stärksten Personenwagen-Diesel. Der ist ein 5,0-Liter-V10-Aggregat mit Pumpe-Düse-Hochdruck-Einspritzung und doppeltem Turbolader, der eine Leistung von 230 kW (313 PS) entwickelt und mit seinem höchsten Drehmoment von 750 Nm in völlig neue Dimensionen vorstößt. Kombinieren wird Volkswagen seinen V10 TDI mit einer völlig neu entwickelten Sechsgang-Automatik. So viel Antriebskraft verlangt nicht minder anspruchsvolle Fahrwerkstechnik. Bei D1 setzt Wolfsburg hier auf ein neu entwickeltes 4-System-Luftfederungsfahrwerk mit einer stufenlos arbeitenden elektronischen Kennfeld-Dämpferrregelung, das je nach Motorisierung in Kombination mit einem 4Motion-Allradantrieb angeboten werden wird.

Nicht zu viele Bedienelemente

Natürlich setzt ein Auto wie der D1 auch im Interieur und bei der Ausstattung neue Akzente. Das gilt nicht nur für das großzügie Platzangebot, sondern vor allem auch für den hochwertigen Charakter der Innenausstattung mit besonders edlen Materialien und exzellenter Verarbeitung. Sehr viel Mühe hat man in Wolfsburg darauf verwandt, das neue Oberklasseauto nicht mit Bedienungselementen zu überfrachten, dem Fahrer eine Technik zu bieten, die logisch, verständlich und selbsterklärend ist. Zusammengefasst in der Mittelkonsole präsentieren sich im Infotainment-Center mit dem großen 16 : 9-Farbdisplay eine hochwertige Audioanlage in Konzertqualität mit Sechsfach-CD-Wechsler, das Navigationssystem, der Bordrechner, Telefon, TV und Klimatisierung. Bei der setzt man auf eine neue Klimatechnik, bei der der Innenraum durch die sogenannte 4-Corner-Climatronic absolut zugfrei klimatisiert wird.

Frontairbags, Seitenairbags und Windowairbags gehören zum umfassenden Angebot im Bereich der passiven Sicherheit. Serienausstattung des neuen Oberklassemodells werden zudem Xenon-Scheinwerfer in Kombination mit einer völlig neu konzipierten Scheinwerder-Reinigungsanlage und einer "Coming-Home-Funktion" mit Umfeldbeleuchtung durch Scheinwerfer, Rückleuchten und zusätzliche Strahler in den Außenspiegeln sein. Und umfassend wird auch das Angebot hochmoderner Assistenzsysteme sein, mit denen der neue Oberklasse-Volkswagen auch bei der aktiven Sicherheit höchsten Ansprüchen gerecht wird.

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