Zeitung Heute : VW Polo: Familienauto im alten Golf-Format

Ingo von Dahlern

Lassen sie sich nicht täuschen. Er ist kein Golf, der neueste Volkswagen mit seinen runden Doppelscheinwerfern, der Mitte September auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt am Main seinen ersten öffentlichen Auftritt haben wird - er ist ein Polo. Einer allerdings, der noch vor zwei Jahrzehnten gut als Golf durchgegangen wäre.

Aber mit jeder neuen Generation haben sich die Dimensionen von Golf und Polo verändert. Während der Golf kontinuierlich wuchs, machte der Polo in seiner nun an ihrem Ende angekommenen dritten Generation allerdings eine Pause beim Längenwachstum - wurde etwas kürzer und dafür ein wenig breiter und höher und wuchs auf diese Weise in neue Proportionen.

Nun legt er, mit seiner vierten Generation, auch in der Länge wieder kräftig zu, nämlich gleich um 15,4 Zentimeter. Und damit erreicht er 3,90 Meter, die in Verbindung mit dem um 5,5 Zentimeter auf nun 2,46 Meter gewachsenen Radstand ein Auto ergeben, das in seinen Dimensionen weitgehend der zweiten Golf-Generation entspricht und erheblich größer ist als der erste Golf. Damit ist der Polo in seiner neuesten Generation ein ohne jede Einschränkung vollwertiges Familienauto.

Er ist eine Neukonstruktion, der Polo Nummer vier, der in zwei Karosserievarianten auftritt - als Zweitürer mit einer etwas mehr coupéhaft wirkenden Linie und als respektabler Viertürer mit einem zusätzlichen dritten Seitenfester. Nicht ganz so neu wie die Karosserie ist das Fahrwerk. Denn das rollt in seiner Grundkonstruktion schon seit 1999 über die Straßen - unter der Karosserie des kompakten Skoda Fabia, der auf derselben Plattform aufbaut wie der neue Polo. Und so haben Fabia und Polo identische Radstände und die bewährte Einzelradaufhängung vorn mit Federbeinen und der Verbundlenkerachse hinten sowie die Zahnstangenlenkung mit elektro-hydraulischer Servolenkung und die dieser Konstruktion eigenen guten Fahreigenschaften.

Ganz neu beim Polo der vierten Generation ist das Motorenprogramm. Denn zur Markteinführung im November wird es zwei Benziner geben. Der größere ist ein 1,4-Liter-Vierzylinder mit einer Leistung von 55 kW (75 PS), der kleinere ein 1,2-Liter-Dreizylinder mit einer Leistung von 47 kW (65 PS) - eine völlige Neukonstruktion. Den Dreizylindern eigenen etwas raueren Lauf glättet eine Ausgleichswelle. Zu den besonderen Eigenschaften dieses neuen Triebwerks gehören ein besonders niedriger Verbrauch und niedrige Emissionen - er erfüllt die Abgasnorm EU4.

Und bis zum Januar 2002 wird es fünf weitere Aggregate geben, darunter zwei weitere neue Motoren. Der eine ist ein zweiter Dreizylinder mit 40 kW (55 PS) und der andere ein direkt einspritzender Benziner - Volkswagen nennt diese Motoren FSI-Motoren - mit vier Zylindern und einer Leistung 63 kW (85 PS). Und auch Diesel sowie eine Automatikversion stehen im künftigen Antriebsprogramm für den Polo.

Wie schon bei den letzten Generationen von Golf und Passat, setzt Volkswagen nun auch beim Polo gezielt auf hohe Qualität sowohl bei der Verarbeitung als auch den Werkstoffen. Das wird besonders deutlich beim Innenraum des neuen Polo, der sich hier unzweideutig als Premium-Fahrzeug präsentiert, wobei das konsequent symmetrische Innenraumdesign besondere Akzente setzt. Bereits bei den Basisversionen sehr umfangreich ist die Ausstattung. So werden alle Polo-Modelle unter anderem mit ABS, Servolenkung, Fahrer- und Beifahrerairbag, Seitenairbags, vier Kopfstützen, Wärmeschutzverglasung und Drehzahlmesser ausgestattet. Je nach Ausstattungsvariante - Volkswagen bietet den Polo in den Linien Basis, Trendline, Comfortline und Highline an - kommen weitere Ausstattungslemente hinzu, die den Komfort erhöhen und die Sicherheit verbessern.

Zu den Wunschausstattungen gehören unter anderem die erstmals mit einem Bremsassistenten kombinierte Fahrdynamikregelung ESP, eine halbautomatische Klimaanlage mit der Bezeichnung Climatic und die bewährte vollautomatische Climatronic. Erstmals angeboten in der Klasse des Polo wird ein integrierter Kindersitz für die Rücksitzbank. Zudem kann, wer Kinder auf dem Beifahrersitz mitnimmt, den Beifahrerairbag deaktivieren.

Wenn es nach Volkswagen ginge, dann würde, nachdem sich für die Fahrzeuge eine Klasse höher auf dem Markt längst der Begriff "Golf-Klasse" etabliert hat, mit dem neuen Polo eine vergleichbare "Polo-Klasse" begründet.

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