• Während die Bauarbeiter am Potsdamer Platz allmählich abziehen, fangen sie rund ums Mosse-Palais ihre Arbeit erst an

Zeitung Heute : Während die Bauarbeiter am Potsdamer Platz allmählich abziehen, fangen sie rund ums Mosse-Palais ihre Arbeit erst an

Harald Olkus

Spätestens Anfang des nächsten Jahres starten die Investoren mit dem Bau im Schatten des großen NachbarnHarald Olkus

Die Infobox steht zwar mitten auf dem Leipziger Platz, doch wer dort etwas über die Bebauung des achteckigen Geländes erfahren will, geht leer aus. "Wir haben hier leider keine Informationen über den Leipziger Platz", sagt die Mitarbeiterin am Empfangstresen. "Wir schneiden selber alle Artikel darüber aus den Zeitungen aus."

Der Leipziger Platz liegt im Schatten der beiden Hochhäuser am Potsdamer Platz. "Im Vergleich dazu sieht es hier aus, als wäre gar nichts passiert", räumt Christian Kuhlo, Referatsleiter der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, ein. Das will er aber dann doch nicht ganz so stehen lassen: "Wir haben vor fünf Jahren mit der Vermarktung des Areals begonnen, jetzt sind wir so weit. In diesem, spätestens Anfang des nächsten Jahres werden alle Investoren mit dem Bau beginnen. Unter der Maßgabe, dass wir eine gute Mischung am Leipziger Platz haben wollten, ist das verhältnismäßig flott", meint er.

Bislang ist allerdings noch wenig auszumachen. Am Nordrand steht einsam das Mosse-Palais, und in der südöstlichen Ecke haben die zwei Rohbauten von Züblin und der Bauherrengemeinschaft Knauthe ihre Traufhöhe erreicht. Östlich des Mosse-Palais ist bereits die Grube für den Bau der DG-Bank ausgehoben. Auf der anderen Seite, zwischen Mosse-Palais und dem Ausgang zum Potsdamer Platz, liegen drei Grundstücke, deren Eigentümer im kommenden Jahr mit den Bauarbeiten beginnen wollen.

Erst kürzlich hat der Automobilclub von Deutschland (AvD) seine Ansprüche als Alteigentümer durchsetzen können - sein früheres Grundstück wurde rückübertragen. Der Club will mit seinen künftigen Nachbarn, der Kanadischen Botschaft und dem Deutschen Reisebüro (DER), eine gemeinsame Baulogistik gründen und die drei Gebäude im Verbund errichten. "Die Entwürfe für die kanadische Botschaft sind genehmigt", sagt Kuhlo. Die Botschaft wird über zwei Eingänge verfügen, einen offiziellen Haupteingang am Leipziger Platz und einen zweiten in der Ebertstraße. Quer durch das Botschaftsgelände soll eine Fußgängerpassage verlaufen. Die Kanadier werden mit ihrer Botschaft ein Stück ihres Landes nach Deutschland holen: Das Architekten-Team will Baumaterialien aus verschiedenen Regionen verwenden, etwa Kalkstein aus Manitoba und Hölzer aus Ontario und Québec.

Auf der anderen Seite des Eingangs zum Platz hat Sony mit rund 4500 Quadratmetern eines der größten Grundstücke vom Land Berlin erworben. Für alle vorher im Landesbesitz befindlichen Grundstücke ist ein Architektenwettbewerb vorgeschrieben, der bei Sony bislang jedoch noch nicht stattgefunden hat. "Wir haben aber vereinbart, dass noch im Jahr 2001 mit dem Bau begonnen wird", sagt Kuhlo.

Zwischen dem blauen Bauzaun, der das Sony-Gelände umschließt, und dem bereits errichteten Wohn- und Geschäftshaus der Bauherrengemeinschaft Knauthe liegen weitere drei Grundstücke, die noch in diesem Jahr bebaut werden sollen. Diesen Süden des Platzes teilen sich die Bauherren MM Management, KapHag und die IVG / Botag. Für das Botag-Gebäude hat der Berliner Architekt Christoph Langhof in der vergangenen Woche die Pläne vorgestellt. Entgegen den bisher eher glatten und strengen Entwürfen für den Leipziger Platz will er seine Fassade mit Ornamenten und Dekorationen unterscheidbar machen. Auch er hält die Vorgaben der Bauverwaltung nach einer Sockelzone im Erdgeschoss mit Geschäften und Cafés, einem Mittelteil mit Büros und einem darüberliegenden, um zwei Meter zurückgesetzten "Kranz" mit Wohnungen ein. Der Wohnanteil muss mindestens 20 Prozent ausmachen.

Während die Bauhöhen beim inneren Kranz unverändert beibehalten wurden, lässt die Bauverwaltung für den äußeren Gebäudering und die Übergänge dazwischen nun eine höhere Bebauung zu. Noch vor drei Jahren hatte der Bauherr des Mosse-Palais, Hans Röder, wieder einen Teil abreißen müssen, weil er den Querriegel viel höher als genehmigt ausfallen ließ. Jetzt könnte er ihn sogar noch weiter erhöhen.

Das größte Kuchenstück am Leipziger Platz macht das ehemalige Kottmair-Grundstück im Nordosten aus. Nach dem Streit mit der Treuhand-Liegenschaftsgesellschaft (TLG) und dem Tod des Architekten Aldo Rossi, der dort mit seinem "Cirque de Soleil" ein buntes Legoland errichten wollte, befindet sich das Areal jetzt im Besitz einer Investitionsgemeinschaft aus allen Anrainern des Leipziger Platzes. Sie verhandeln derzeit noch mit der TLG über eine künftige Bebauung. Bisher ist man sich einig, dass es am Standort des ehemaligen Wertheim-Kaufhauses keinen großflächigen Einzelhandel wie in den Potsdamer-Platz-Arkaden geben wird. "Es soll alles etwas kleinteiliger und hochwertiger werden", sagt Christian Kuhlo.

Er will versuchen, den öffentlichen Raum am Leipziger Platz aufzuwerten: viel Grün, Straßencafés und keine parkenden Autos. Die Zufahrt zu den Tiefgaragen und für die Versorgung soll ausschließlich über den äußeren Ring erfolgen. Doch mittlerweile ist man auch bei der Senatsbauverwaltung der Meinung, dass nun lange genug geplant worden ist. "Wir wollen jetzt endlich etwas sehen", sagt Kuhlo. Bis zum Jahr 2003 soll der Leipziger Platz fertiggestellt sein.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar