Zeitung Heute : Wärme lässt sich pumpen

Die Bewag fördert für Privatleute und Kleingewerbe nicht nur Fotovoltaik

Heiko Schwarzburger

Großaktion zur Kundenbindung: Unter dem Motto „Energie 2002“ bezuschusst Berlins Energieversorger Bewag Hausbesitzer, die Solaranlagen zur Stromgewinnung installieren. „Die Anträge werden bis Ende 2004 entgegengenommen und bewilligt. Danach haben die Empfänger unserer Förderung noch ein Jahr Zeit, die gewünschte Anlage zu errichten", erläutert Clemens Fischer, der bei der Bewag zuständige Bereichsleiter für erneuerbare Energien. Immerhin zahlt die Bewag 1000 Euro je Kilowatt Spitzenleistung der Anlage. Die Obergrenze des Bewag-Beitrags liegt bei 5000 Euro. Die Offerte gilt allerdings nur für Bewag-Kunden im Berliner Stadtgebiet.

„Wir haben sehr viele Privatleute, die unser Angebot nutzen", sagt Clemens Fischer. „Der erzeugte Strom wird in unser Netz eingespeist und entsprechend dem Gesetz über die Erneuerbaren Energien vergütet.“ Derzeit zahlen die Energieversorger 46 Cent pro Kilowattstunde eingespeisten Solarstroms. „Für jedes Kilowatt installierter Leistung kann man 750 Kilowattstunden Strom-Ernte pro Jahr rechnen“, meint Fischer. „Da kommt was zusammen, das lohnt sich.“ Schließlich läuft eine einmal installierte Anlage quasi von selbst, ohne großes Zutun – von einer gelegentlichen Reinigung der Oberflächen einmal abgesehen.

Die durchschnittliche Größe der bislang geförderten Photovoltaik-Anlagen beträgt 3,5 Kilowatt. Seit dem Start des Förderprogramms Mitte des vergangenen Jahres wurden in Berlin 183 Kilowatt Spitzenleistung aus Photovoltaik installiert, verteilt auf 62 Anlagen.

Mit dieser Großzügigkeit will die Bewag vor allem eines erhalten: die Verbindung zu ihren Kunden. Wer die Förderung in Anspruch nimmt, muss sich verpflichten, mindestens vier Jahre Stromkunde zu bleiben. Aber die Bewag bietet auch kleine Solaranlagen speziell für Berliner Schulen an. „Wir haben dreißig Fotovoltaik-Systeme gekauft, die wir auf den Dächern der Schulen installieren können“, berichtet Fischer. „Jedes hat eine Leistung von einem Kilowatt. Damit wollen wir den Unterricht unterstützen. Die Lehrer und die Schüler können die Anlagen selbst aufbauen. Natürlich steht ein Mitarbeiter unseres Hauses mit Rat und Tat zur Seite."

Die Anlagen sind bereits vorgefertigt, so dass zur Installation kein besonderes Werkzeug benötigt wird. Die Bewag hilft auch bei Absprachen mit dem Bauamt, um die Photovoltaik auf das Dach zu bekommen. „Die Schule kann den aus der Sonne erzeugten Strom in ihr Netz einspeisen und selbst nutzen. Die Systeme haben auch eine Schnittstelle für Computer, um die Daten für den Physikunterricht aufbereiten zu können.“ Die ersten vier Anlagen sind bereits aufgebaut, die Nachfrage aus den Schulen und den Bezirksämtern ist rege. „Dennoch nehmen wir noch Anfragen an", sagt Fischer. „Die Anlagen sind noch nicht alle weg.“

Die Bewag fördert darüber hinaus auch den Einsatz von Wärmepumpen zur Energiegewinnung im Haushalt oder im Gewerbe. Wärmepumpen werden in der Regel mit Strom betrieben. Sie entziehen ihrer Umwelt Energie und nutzen diese für die Heizung von Räumen. Wärmepumpen lassen sich ohne größere Probleme in bestehende Heizanlagen einfügen.

Wärmepumpen im U-Bahnhof

Meist sind sie so aufgebaut, dass sie die Abwärme aus einem Lüftungssystem oder die Erdwärme nutzen. Auf vierzig bis sechzig Prozent der Heizlast ausgelegt, liefern Wärmepumpen in Verbindung mit dem Heizkessel zwischen 60 und 90 Prozent der jährlich benötigten Heizwärme. Je weniger Strom die Wärmepumpe im Vergleich zur abgegebenen Nutzwärme benötigt, desto höher ist ihre Leistungszahl und desto effektiver arbeitet sie.

Für jede neue Wärmepumpe gibt die Bewag ihren Kunden 230 Euro pro Kilowattstunde Nutzwärme hinzu. Ein privater Investor ging sogar so weit, die Verkaufsstände im U-Bahnhof Fehrbelliner Platz komplett mit Wärmepumpen zu beheizen. Die moderne Technik nutzt dort die Abwärme aus den Bahntunnels, in denen es ja auch im Winter nicht allzu kalt wird.

Aber es geht nicht nur um Raumwärme: „500 Euro zahlen wir für Wärmepumpen, die ausschließlich zur Aufbereitung von Warmwasser genutzt werden, dann allerdings unabhängig von der Pumpenleistung," sagt Fischer. Insgesamt hat die Bewag seit Mitte 2002 rund 80 Wärmepumpen mit einer Gesamtwärmenutzleistung von gut 800 Kilowatt gesponsort. Auch bei diesem Programm müssen sich die Kunden verpflichten, der Bewag mindestens vier Jahre die Treue zu halten.

Neuerdings gibt es sogar Komplettpakete für die Erwärmung von Brauchwasser, fertig installiert inklusive Strom für ein Jahr: Für 2495 Euro können sich interessierte Kunden die Anlage mit 300-Liter-Wasserspeicher und einer Wärmepumpe mit 600 Watt elektrischer Anschlussleistung in die Wohnung oder ins Heim einbauen lassen. „Diese Anlage liefert immerhin das gesamte Warmwasser für einen Haushalt mit vier bis fünf Personen“, rechnet Fischer vor.

Auf solchen Wegen wandelt sich die Bewag zum Dienstleister, der eben nicht nur die Energie liefert, sondern die komplette Anlage, also die technische Lösung für den eigentlichen Kundenwunsch. Und das ist in diesem Fall warmes Wasser. Wer eine solche Komplettanlage kauft, muss sich mindestens zwei Jahre lang an den Stromversorger binden.

Nähere Informationen gibt es unter der Bewag-Hotline für erneuerbare Energien: 030 / 267 111 30 oder im Internet: www.bewag.de

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben