Zeitung Heute : Wagende Gewinner

Er spendete Potsdam ein Elite-Institut und die Schlossfassade. Als Investor fördert Hasso Plattner kreative Firmen in der Region

Thorsten Metzner

Ach ja, die Krise. „Es ist nicht so, dass sie spurlos an uns vorbeigeht. Aber für unser Business ist es vor allem eine riesige, riesige Chance“, antwortet Vorstandschef Eran Davidson, 50 Jahre, ein Manager, den Hasso Plattner aus Israel nach Potsdam holte. „Es ist jetzt leichter, hochqualifiziertes Personal für unsere Firmen zu finden oder Konkurrenzunternehmen aufzukaufen.“ Und sein Vorstandskollege Rouven Westphal, ein 36-jähriger Deutscher, der selbst bereits erfolgreich eine IT-Firma in Bayern aufbaute, sagt: „Für uns sind es wunderbare Zeiten.“

Ortstermin in Potsdam, bei „Hasso Plattner Ventures“ (HPV), in einer schicken Villa vis-à-vis der Babelsberger Filmstudios. Es ist ein Unternehmen, das eher selten im Rampenlicht steht, was einigermaßen merkwürdig ist. Es gehört nämlich zur Potsdamer Welt des Hasso Plattner, einst Mitgründer des SAP-Konzerns, heute Multimilliardär, einer der reichsten Deutschen. Aber er ist eben auch ein rastloser Typ, der einen Narren an Potsdam, an der Region gefressen hat, als Förderer und Mäzen regelmäßig für Aufsehen sorgt. Plattner ist wieder in aller Munde, weil er 20 Millionen Euro für die Fassade des Potsdamer Stadtschlosses spendete.

Er klotzte für über 200 Millionen Euro ein allein privat finanziertes Elite-Institut neben den Bahnhof Griebnitzsee. Eine Kreativschmiede, die Nachwuchs für Hightech-Firmen ausbildet, in Rankings deutscher Hochschulen ganz oben mitmischt. Heute kooperiert etwa die „School of Design Thinking“, eine spezielle Erfinderschule des Hasso-Plattner-Instituts, unter anderem mit der amerikanischen Stanford University – eine Brücke zwischen „Silicon Valley“ und „Silicon Sanssouci“, wie es auf dem Campus heißt. Ja, so sieht man sich hier, auf Augenhöhe, auf der Höhe der Zeit sowieso, Pioniere der Wissensindustrie.

Doch da ist eben nicht nur der Mäzen, der Förderer der Wissenschaft, „der Glück hatte und der Gesellschaft etwas zurückgeben will“, wie „Mister SAP“ einmal über sich sagte. Da ist auch noch der Unternehmer Hasso Plattner, der hier auch als langfristiger Investor aktiv ist, dessen Firma Hasso Plattner Ventures (HPV) Start-up-Firmen puscht – aus Potsdam und Berlin, aber auch aus München, Hamburg oder Stuttgart, Israel oder Südafrika. Das Zauberwort heißt Wagniskapital, mit dem sich Plattner Ventures direkt an solchen Firmen beteiligt. Und es geht, wie immer bei Plattner, um viel Geld.

Inzwischen hat er – zusammen mit anderen Investoren wie dem Ex-SAP-Manager Shai Agassi – über HPV bereits drei Risikokapitalfonds aufgelegt, mit einem Volumen von insgesamt 180 Millionen Euro. Was daraus geworden ist? Eine Erfolgsstory, wie Vorstandschef Davidson schildert. Inzwischen sei Plattner Ventures, erst 2005 gegründet, an 17 Firmen beteiligt, mit 678 Beschäftigten. Rund 30 Millionen Euro hat man bisher in Zöglinge zumeist aus der IT-Branche investiert, Tendenz weiter steigend, trotz Krise. „Wir suchen weiter, wir investieren weiter.“

Es geht um Firmen wie das Potsdamer Unternehmen D-LABS. 2006 mitgegründet von Jörn Hartwig, Absolvent des Plattner-Instituts, berät D-LABS inzwischen namhafte Dax-Konzerne bei der Verbesserung ihrer Produkte und Softwaresysteme. Oder wie die Berliner Softwarefirma Datango, die bereits auf 200 Mitarbeiter wuchs und den US-Markt erobern will. Genaue Umsatzzahlen der Firmen nennt Davidson nicht, Geschäftsgeheimnis. Doch er zeigt eine aktuelle Liste, auf denen die Trends – Teamqualität, „das Wichtigste“, Umsatz und Gewinnentwicklung – in den Ampelfarben vermerkt sind: Es dominieren Grün, Gelb. Nur zwei, drei Mal, taucht das Problem-Rot auf. Erst eine Firma, an der sich HPV beteiligte, habe aufgeben müssen, sagt Davidson. „Die Konkurrenz war zu stark.“

Für eine Wagniskapitalfirma, zu deren Geschäft das Scheitern gehört, eine bemerkenswert gute Quote. Die Gründe dafür? Man gebe nicht nur Geld, erklärt Davidson, sondern begleite das Wachstum der Firmen mit professionellen, interdisziplinären Beraterteams, mit Geschäftsideen. Und man nehme auch nicht jede Firma in den Pool auf. Strikte Voraussetzung ist – auch eine Besonderheit – der globale Anspruch schon zu Beginn. Diese Linie hat Hasso Plattner vorgegeben, der einmal gefragt wurde, ob er auf ein zweites SAP-Wunder, setze. Seine Antwort: „Nein, aber 20 bis 30 kleine SAPs sollen es schon werden.“ Dazu passt, dass Davidson auf der Liste, die die Entwicklung jeder Firma dokumentiert, die Spalte „International footprint“ führt. Jede zweite Firma, die mit Hilfe von HPV expandieren will, hat danach bereits einen internationalen Fußabdruck hinterlassen. Wenn das kein guter Anfang ist, um die Welt zu erobern, dieses globale Dorf.

www.hp-ventures.com

Wir geben nicht nur Geld, sondern begleiten das Wachstum der Firmen mit professionellen,

interdisziplinären

Beraterteams und mit

Geschäftsideen. “

Hasso Plattner

Mäzen und Investor

Potsdam/San Francisco

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