Zeitung Heute : Waldkrankenhaus öffnet sich für anonyme Geburten

Der Tagesspiegel

Spandau. Das Evangelische Waldkrankenhaus erwägt, als erste Klinik Frauen in Berlin anonyme Geburten anzubieten. Voraussetzung dafür sei die Klärung noch offener rechtlicher Fragen, sagte Verwaltungsleiter Axel Feyerabend. Denn bisher bewege man sich mit dem Thema in einer juristischen Grauzone. Der Senatsverwaltung für Gesundheit, Soziales und Verbraucherschutz sind bisher keine entsprechenden Angebote in Berlin bekannt, sagte deren Sprecherin Roswitha Steinbrenner. Als dritte Berliner Klinik nach dem Haus Waldfrieden in Zehlendorf und dem Neuköllner Krankenhaus will das Waldkrankenhaus noch in diesem Jahr zunächst ebenfalls eine Babyklappe einrichten. Dafür hatte sich im vergangenen Jahr bereits die Spandauer Bezirksverordnetenversammlung ausgesprochen. Die Grundsatzentscheidung sei gefallen, erklärte Feyerabend. Jetzt suche man noch den Erfahrungsaustausch mit den bisherigen Betreibern und müsse die technischen Voraussetzungen klären. Weil sie das Risiko für Mutter und Kind verringert, plant man zusätzlich das Angebot anonymer Geburten.

Es würde dazu beitragen, „eine sehr schwierige Situation in geordnete Bahnen zu bringen“ und helfen, „dass mehr Kinder geboren werden beziehungsweise überleben“, so der Verwaltungsleiter. In einigen Städten bieten Krankenhäuser bereits die Möglichkeit zur anonymen Geburt, obwohl die Rechtslage noch offen ist. So verzichtet beispielsweise Nürnberg auf die Verfolgung der Ordnungswidrigkeit, wenn eine Klinik den Namen der Mutter vorschriftswidrig nicht meldet.

Die Gesundheitsministerkonferenz strebt eine rechtliche Regelung in Anlehnung an bestehende Gesetze an, sagte Roswitha Steinbrenner. Auch eine interfraktionelle Arbeitsgruppe des Bundestages befasse sich mit dem Thema. Im zuständigen Bundesministerium rechnet man mit einer endgültigen Klärung bis zum Sommer. du-

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