Zeitung Heute : Walkman und Kamera für die Westentasche

HOLGER SCHLÖSSER

Mit Musik wird vieles leichter - zum Beispiel das tägliche Fitness-Training.Dummerweise lassen herkömmliche Musik-Walkmen ihren Träger beim Joggen im Stich.Der Grund: Die Mechanik verträgt keine Erschütterungen.Härter im Nehmen ist da die neue Generation von digitalen MP3-Playern, die mit dem "Rio" von Diamond Multimedia im letzten Jahr auf den Markt kam und auch auf der Cebit für Furore sorgt.

Im Unterschied zu tragbaren CD- oder Cassetten-Playern muß in einen MP3-Player kein mechanisches Speichermedium eingelegt werden.Er wird einfach vom PC aus mit Musik gefüttert.In seinem Speicher läßt sich dank des platzsparenden MP3-Formats zirka eine Stunde Musik ablegen.Die dafür nötigen Musikstücke holt man sich bequem übers Internet auf seinen PC.Robustheit ist bei den neuen Abspielgeräten, die auf der Messe zu sehen waren, nicht alles - klein, silbrig und flach sind sie auch eine echte Augenweide.Wie der Player der Firma Pontis, den sowohl PC- als auch Mac-User nutzen können.Hexaglot hat sich nach eigenen Angaben die exklusiven Vertriebsrechte für Deutschland gesichert.Das "Mplayer3" getaufte Gerät soll ab Mitte April für 399 Mark in den Handel kommen.

Was die Musikliebhaber freut, bereitet der Musikindustrie Kopfzerbrechen.Schließlich könnte die neue Technologie alte Vertriebswege überflüssig machen, wenn Musikstücke illegal übers Netz heruntergeladen werden oder Musiker ihre Werke direkt an den Kunden verkaufen.Doch auch für dieses Problem gab es auf der Cebit eine Lösung zu sehen.Die Firmen intraWeb, Sun Microsystems und "Giesecke & Devrient" stellten in Hannover die "Jentro MusicPump" vor, ein öffentliches Selbstbedienungsterminal, von dem aus MP3-Musik heruntergeladen werden kann - vorausgesetzt, man bezahlt vorher die Stücke mit seiner Kreditkarte.

Das MP3-Format eignet sich jedoch nicht nur für Audiodateien.In der Weiterentwicklung MPEG-4 kann es ebenso gut bei Videos eingesetzt werden.Obwohl der Standard noch nicht endgültig verabschiedet wurde, wurden bereits jetzt erste Anwendungen auf der Cebit vorgestellt.Die Firma Sharp zeigte auf ihrem Messestand erstmals die "Internet-Viewcam", die erste Digitalkamera, die Ton und Videosequenzen direkt im MPEG-4-Format abspeichert.Mit der handtellergroßen Kamera lassen sich rund eine Stunde Video und Töne aufzeichen.Zusätzlichen Programme zum Abspielen braucht es keine - mit dem Mediaplayer 6.0 von Microsoft können die MPEG-4 Daten sofort auf jedem PC ohne zuvorige Konvertierung abgespielt werden.Mac-User müssen sich allerdings gedulden, bis Microsoft eine Apple-Version des Mediaplayers herausgibt.

Thomas Benecke, Produktmanager für Digitalkameras bei Sharp Europa, sieht als Haupteinsatzgebiet das globale Datennetz: "Mit MPEG-4 sind die Aufnahmen voll Internet-kompatibel und lassen sich direkt in E-Mails integrieren." Für den Hausgebrauch ist das Gerät freilich wegen seines hohen Preises wenig geeignet.Fast 1500 Mark soll das Gerät kosten.Das High-Tech-Unternehmen Toshiba möchte das neue Format für das Mobilfunknetz der Handys nutzen.Der Elektronikkonzern zeigte einen Prototypen für ein Bildtelefon-Handy, bei dem die Video-Kompression in Echtzeit nach dem MPEG-4-Standard erfolgt.

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