Zeitung Heute : Wann braucht man eine Krankschrift?

Martin U. Müller

Die Erkältungswelle hat Deutschland fest im Griff und so mancher Arbeitnehmer tauscht gezwungenermaßen den Bürostuhl vorübergehend gegen das heimische Bett ein. Wer sich aber bei seinem Arbeitgeber krank meldet, hat einige Regeln und Fristen einzuhalten – schlimmstenfalls könnte sonst sogar eine Kündigung drohen.

„Der Arbeitnehmer hat eine Informationspflicht und muss unverzüglich den Arbeitgeber über den Krankheitseintritt in Kenntniss setzen“, erklärt Ernesto Loh, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Berlin. Der Weg spiele dabei keine Rolle: „Das kann telefonisch, per Mail aber auch per Fax oder SMS geschehen.“ Wichtig sei nur, dass die Information über die Abwesenheit auch dort bekannt ist, wo die Dienstplanung stattfindet, sagt Loh.

Dauert die Erkrankung länger als drei Kalendertage, so ist eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorzulegen. Diese kann jeder Arzt ausstellen und sie muss spätestens am vierten Kalendertag beim Arbeitgeber vorliegen. Ein Blick in den Arbeitsvertrag kann bei der Frage nach Fristen hilfreich sein: Das Bundesarbeitsgericht entschied 2002 dass es statthaft ist, auch früher ein ärztliches Attest einzufordern. Dies muss jedoch im Vertrag festgelegt sein, einige Tarifverträge sehen sogar eine Vorlage bereits am ersten Krankheitstag vor. Diagnosen sind aus diesem Durchschlag nicht zu ersehen und müssen auch dem Arbeitgeber nicht mitgeteilt werden. Auch ist man verpflichtet, jede Änderung der vorraussichtlichen Krankheitsdauer dem Arbeitgeber mitzuteilen.

Muss nun aber ein krankgeschriebener Arbeitnehmer wirklich den ganzen Tag in seiner Wohnung bleiben? „Es ist alles erlaubt, was der Genesung nicht schadet“, fasst Ernesto Loh die Rechtslage zusammen. Hat der Arzt also nichts anderes verordnet, kann der Kranke auch das Haus verlassen. „Eine Sekretärin mit gebrochenem Arm darf durchaus auch ins Solarium gehen“, sagt Ernesto Loh. Hat ein Arbeitgeber Zweifel an der Richtigkeit der Krankmeldung, kann er beispielsweise den medizinischen Dienst der Krankenkassen um eine Stellungnahme bitten. Kommt der Arbeitnehmer dieser Aufforderung nicht nach, kann er abgemahnt werden.

Krankheitsbedingte Kündigungen sind schwierig umzusetzen aber möglich, erläutert Ernesto Loh. „Häufige Kurzerkrankungen die auch in Zukunft bestehen und betriebliche, nicht hinzunehmende Probleme mit sich bringen, können theoretisch zur Kündigung führen.“ Manche Arbeitgeber würden Personal fristlos kündigen, wenn es der Informationspflicht zu spät nachkommt. „Das ist nicht statthaft, zunächst muss abgemahnt werden“, erklärt der Arbeitsrechtler.

Lohnfortzahlung steht Arbeitnehmern und Auszubildenen für bis zu sechs Wochen zu. Danach zahlen die gesetzlichen Krankenversicherungen einen Krankengeldzuschuss, der je nach Familienstand variieren kann und für maximal 18 Monate gewährt wird.

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