Zeitung Heute : Wann geht die Post ab?

Henrik mortsiefer

Gäbe es die Postbankaktie heute schon zu kaufen – und nicht erst wie geplant mit Beginn der Zeichnungsfrist am 7. Juni – wären Anleger gut beraten, ihre Ersparnisse anderswo einzusetzen. Denn: Das Tochterunternehmen der Deutschen Post wird gerade in der Gerüchteküche des Finanzmarktes weich gekocht. Zwar betonen Post und Postbank, dass an den Plänen für den Börsengang am 21. Juni festgehalten werde. Und auch die Bundesregierung wird nicht müde, hervorzuheben, dass sie sich nicht mehr einmischen will. Doch die Spekulationen, das Projekt könnte in letzter Minute noch abgesagt werden, reißen nicht ab. Für private Kleinanleger ist das zu viel Unsicherheit: Kauft die Deutsche Bank doch die Postbank? Oder bleibt die Post – und damit der Bund als ihr Mehrheitseigentümer – Großaktionär der mit 11,5 Millionen Kunden größten deutschen Privatkundenbank? Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz fürchtet für den Fall des Postbankverkaufs gar Schadenersatzforderungen von Post-Aktionären, denen dann keine Aktien mehr bevorzugt zugeteilt werden könnten.

Kleinanleger können also von Glück sagen, dass die Postbank ihre Aktien noch nicht sofort anbieten muss. Denn eigentlich ist die Bank ein sehr solides, ertragreiches Unternehmen, deren Aktien man sich in Ruhe ansehen sollte. Im Jahr 2003 machte das Geldinstitut einen Vorsteuergewinn von fast 500 Millionen Euro. Allein von Januar bis März 2004 wurden 156000 Girokonten eröffnet – das waren 76 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

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