Zeitung Heute : Warp 3

Intel stellt einen neuen Gigahertz-Rekord auf

Kurt Sagatz

Eine Sorge hat sich als unbegründet erwiesen. Als die Computerchips vor einigen Jahren plötzlich mit einer Geschwindigkeit getacktet wurden, in der sonst die UKW-Stationen ihre Rundfunksendungen ausstrahlen, wurde tatsächlich darüber spekuliert, ob dies nicht zum Fall für die Funkwächter von der Telekom werden könnte. Inzwischen wurde der Prozessortakt längst vom Impuls- auf den Warpantrieb umgestellt, um es einmal in der Sprache der Star-Trek-Fans auszudrücken. Und gestern steigerte der größte Chiphersteller Intel erneut die Geschwindigkeit in eine neue Dimension: Der neue Pentium-4-Prozessor wird seinen Dienst in der künftigen Rechnergeneration mit über drei Gigahertz verrichten.

Die erneute Temposteigerung sowie ein neues Verfahren zum parallelen Abarbeiten der anstehenden Berechnungsaufgaben (in der Fachsprache Hyper-Threading genannt) soll ein Leistungsplus von 25 Prozent gegenüber den schon rasend schnellen Vorgänger-Chips erzielen. Vor allem aber im Vergleich zu den im Betrieb befindlichen Durchschnittscomputern, die noch mit 500 Megahertz-Taktfrequenz vor sich hinwerkeln, macht sich der Leistungszuwachs bemerkbar. Dass Produktivitätsprogramme wie beispielsweise eine Textverarbeitung 6,4 Mal schneller sind, spielt vermutlich eine weniger große Rolle, da hier weiterhin der Mensch der limitierende Faktor ist. Und schnellere Technik führt bekanntlich nicht zu schnelleren Texten. Interessant wird es jedoch bei Multimedia-Anwendungen: Über achtmal schneller werden nun aus herkömmlichen Musikstücken MP3-Dateien. Und das selbst produzierte Video benötigt nur noch ein Siebtel der Zeit, um nach der Fertigstellung aufbereitet und auf CD/DVD gebrannt zu werden.

Die erneute Erhöhung der Taktfrequenz wird unterstützt durch eine neue Prozessor-Architektur, die den einzelnen Programmen vormacht, man hätte es nicht mit einem Chip zu tun, sondern gleich mit zweien. Allerdings wird dieser Doppel-Prozessor-Effekt längst nicht von allen Programmen unterstützt. Nur einige besonders rechenintensive Grafikanwendungen können bereits die Vorteile von Doppel-Prozessor-Systemen ausschöpfen. Genau wie bei der Einführung der so genannten Multimedia-Extensions wird es somit einige Zeit dauern, bis die theoretischen Leistungssteigerungen den Endkunden erreichen.

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