Zeitung Heute : Warten auf den weißen Rauch

Martin Gehlen

Der neue Papst muss gewählt werden. Was ist das Konklave und wie funktioniert diese Form der Wahl?

Die Wahl eines neuen Papstes gehört zu den geheimnisvollsten Ritualen der Welt. Aus allen Kontinenten werden in den nächsten Tagen nun die Kardinäle nach Rom eilen. Zunächst versammeln sie sich im Vatikan, um über die Beerdigung von Johannes Paul II., die neuntägigen Trauerfeierlichkeiten und über das Konklave zu beschließen. Mit der Hand auf dem Evangelium werden sie alle nacheinander feierlich schwören, dass sie die Vorschriften der Papstwahl beachten werden. Das Konklave, die Versammlung der 117 wahlberechtigten Kardinäle, muss dann frühestens 15 und spätestens 20 Tage nach dem Tod des Papstes zusammentreten – völlig abgeschieden von der Außenwelt in dem 1996 fertig gestellten Gästehaus der heiligen Martha hinter den hohen Mauern des vatikanischen Palastes. Die 108 Suiten und 23 Einzelzimmer, alle mit privaten Bädern, werden durch Los verteilt. Die Purpurträger dürfen keine Fotoapparate, Handys und Tonbandgeräte mitbringen, keine Briefe empfangen oder schreiben. Ihnen ist es nicht erlaubt, mit Außenstehenden zu reden, zu telefonieren, Radio zu hören oder fernzusehen. Über die Wahlergebnisse und die Debatten im Vorfeld der Abstimmungen sind sie durch ihren Eid zu lebenslangem, absolutem Stillschweigen verpflichtet.

Am Morgen zu Beginn des Konklaves versammeln sich die wahlberechtigten Kardinäle zu einem Gottesdienst im Petersdom, danach ziehen sie sich hinter die Mauern des Vatikans zurück. Zu den Wahlgängen gehen sie dann vom Gästehaus in die Sixtinische Kapelle. Dort bekommen sie rechteckige, doppelt zu faltende Stimmzettel mit dem Aufdruck „Eligo in Summum Pontificem“ („Zum Papst wähle ich…“) ausgehändigt, auf denen sie einen Namen notieren. Jeder Kardinal ist angehalten, den Namen in verstellter, aber deutlicher Schrift aufzuschreiben. Die Purpurträger werden dann einzeln vortreten und ihren Stimmzettel auf einen Hostienteller legen, von wo sie in einen großen goldenen Kelch gekippt werden. Die Stimmzettel werden dann von drei Wahlhelfern laut ausgezählt, anschließend mit einer Nadel durchstochen, an einer Schnur aufgereiht und verbrannt. Ist die Wahl erfolglos, wird dem Papier ein wenig Pech beigemengt, so dass aus dem Ofenrohr der Sixtinischen Kapelle schwarzer Rauch aufsteigt.

Papst Johannes Paul II. hat nicht nur fast alle der seinen Nachfolger wählenden Kardinäle selbst ernannt, er hat 1996 auch das Verfahren der Papstwahl durch die Apostolische Konstitution „Universi Dominici Gregis“ bis ins Detail neu geordnet. „Indem ich auch die Vorschriften meiner Vorgänger bestätige, verbiete ich jedem, auch wenn er die Kardinalswürde besitzt, zu Lebzeiten des Papstes und ohne Beratung mit ihm, über die Wahl seines Nachfolgers zu verhandeln oder Wahlversprechen zu machen oder diesbezüglich in heimlichen Privatzusammenkünften Beschlüsse zu fassen“, heißt es in Absatz 79 des Textes. Eine einschneidende Neuerung betrifft das Wahlquorum: Sollte nach den traditionell vorgeschriebenen 28 Wahlgängen die notwendige Zweidrittelmehrheit der Kardinalsstimmen nicht zu Stande kommen, dann reicht anschließend die absolute Mehrheit der Voten, um Gottes Stellvertreter auf Erden zu bestimmen. Anders als früher muss das Konklave bei zwei gleich starken Lagern nun keinen Kompromisskandidaten mehr suchen. Insofern könnte der neue Wahlmodus einem ideologisch radikaleren Kirchenmann den Weg auf den Stuhl Petri ebnen. Papst Johannes Paul II. war noch ein typischer Kompromisskandidat der alten Wahlordnung. Er erreichte im achten Urnengang mit 91 von 111 die ausreichende Stimmenzahl. Ist der neue Papst dann gefunden, wird den Wahlzetteln kein Pech mehr beigemischt. Der aufsteigende Rauch bleibt weiß und signalisiert der Welt: Habemus Papam – wir haben einen neuen Papst.

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