Zeitung Heute : Warten auf die Wartung

Berlin hat jährlich 25 Euro für PC-Reparaturen übrig

Kurt Sagatz

Schulsenator Klaus Böger ist mit dem Erreichten zufrieden: Ende 2005 wurde an Berlins Schulen die Phase der Computer-Grundausstattung abgeschlossen, sagt der SPD-Politiker. Insgesamt 28 000 PCs befinden sich in den allgemein bildenden öffentlichen Schulen der Hauptstadt. Statistisch kommt ein Rechner auf zwölf Schüler. Die Investitionen haben sich also ausgezahlt: Mehr als fünf Millionen Euro werden seit 1997 jährlich aus Lottomitteln zur Verfügung gestellt, um die PC-Ausstattung an den Berliner Schulen zu verbessern.

Zu Beginn des millionenschweren Hilfsprogramms mussten sich noch 87 Schüler einen Computer teilen. Berlin steht damit sogar besser da als das Musterländle Baden-Württemberg mit 13 Schülern je Computer.

Der massive Einzug der Computertechnik in den Schulen ist jedoch nicht nur Grund zur Freude. Die über die Jahre angeschafften Computer werden von der technischen Weiterentwicklung schneller überholt als es für den Haushalt der Stadt gut sein kann. Noch problematischer ist der Wartungsaufwand für die steigende Zahl von Computern, vor allem der älteren Geräte, von denen die ersten nunmehr gut neun Jahre alt sind. Dieser Aufwand lastet in Berlin auf den Schultern der Bezirke – und der Lehrer, wie Kritiker seit Jahren bemängeln. Es ginge freilich auch anders. Verwiesen wird gerne auf München. In der bayerischen Landeshauptstadt gibt es ein ausgefeiltes Konzept, mit dem die Stadt ihre Schulen bei Wartung und Reparaturen von Computern unterstützt, sagen Kritiker.

In Berlin geht man einen anderen Weg: Support sei Aufgabe der Schulträger und damit der Bezirke, heißt es aus der Senatsschulverwaltung. Dafür erhalten die Bezirke eine finanzielle Unterstützung. 125 Euro für je fünf Computer zahlt das Land den Bezirken pro Jahr. Selbst wenn diese Gelder tatsächlich komplett bei den Schulen ankommen, wird bei 25 Euro je Computer manche Reparatur schwierig.

Doch die Schulen drücken nicht nur Finanzsorgen: „Die Stunden, die den Schulen für die Wartung der Computer zugewiesen werden, reichen bei weitem nicht aus“, sagt Peter Sinram, Pressesprecher der Lehrergewerkschaft GEW. „Es wird zwar versucht, den Lehrern, die sich um die Wartung der PCs und Netze kümmern, durch interne Umbuchung von Stunden zu helfen. Aber am Ende läuft es weiterhin auf eine Selbstausbeutung der Lehrer hinaus“, so Sinram.

Im Rahmen der zunehmenden Vernetzung werden in Berlin derzeit Server aufgebaut, auf denen auch Lehrmittel bereitgestellt werden. Einige Berliner Bezirke wollen die damit verbundenen Einrichtungs- und Wartungsarbeiten an Fremdfirmen vergeben. Die Mittel dafür müssen allerdings an anderer Stelle eingespart werden. „Einige Berliner Schulen setzen inzwischen ältere arbeitslose Informatiker als Ein-Euro-Kräfte ein, um ihre Schulnetze in Betrieb zu halten“, sagt GEW-Mann Sinram. Allerdings sind diese Anstellungen zeitlich befristet und können nicht verlängert werden. „Vieles läuft in einer absoluten Grauzone. Wenn die Schulverwaltung wüsste, was da im Einzelnen passiert, würde man sich ziemlich wundern“, vermutet der GEW-Sprecher.

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