Zeitung Heute : Warten auf Nummer 15: Wie die Berliner Fans im Columbiafritz Raabs Auftritt feierten

Helen Ruwald

Raab ist cool, Raab ist Kult. "Ich mag seinen Humor - wenn das Humor ist. Er scheut sich nicht, auch sich selbst in den Dreck zu ziehen", findet der 21-jährige Philip Lücke. Er ist BWL-Student - und absolut fasziniert von Raabs Marketingtalent, "der macht aus Scheiße Gold". Um dem Blödel-Genie einmal ganz nah zu sein, zwängte sich Lücke mit rund tausend Wadde-hadde-Freaks im Columbiafritz in Berlin vor die Großleinwand. Wer rechtzeitig kam, erkämpfte sich noch ein Eckchen auf einer Bierbank oder auf dem Fußboden.

Mit Bierflasche und Zigaretten harrten die Jeans- und T-Shirt-Träger auf den Auftritt der Nummer 15 in Stockholm. Claudette aus Malta? Ines aus Estland? Völlig uninteressant. Schließlich waren keine Grand-Prix-Enthusiasten versammelt, sondern Fans des Grand-Prix-Verarschers. So wie Mario, der den Grand Prix "albern findet", ging es den meisten. Man ließ die anderen Interpreten über sich ergehen. Ging ja nicht anders. Ein einsames Feuerzeug für Holland, ein paar "juhu"-Schreie für Island, das war es. Bis um viertel nach Zehn. Da entlud sich mit einem Schlag alle angestaute Energie. Raab wurde angesagt, die Gäste sprangen auf die Bänke, stießen die Fäuste Richtung Hallendecke, brüllten "Deutschland" und "Stefan", und grölten das komplette "Wadde hadde dudde da" mit. Stefan, yeah! Die Kameramänner der ARD, die das Spektakel filmten, hielten erleichtert drauf auf die Feiernden. Endlich war Stimmung.

Weiter ging es mit dem internen Wadde-Tipp: Auf welchem Platz landet Raab? "Auf Platz zehn, die anderen haben keinen Humor", befürchtete Sebastian. Hatten sie doch: Jedes Pünktchen für Raab wurde frenetisch bejubelt, jeder Punkt für Dänemark mit einem entsetzten "Nein"-Schrei quittiert. "Die Dänen sind doch so alt", jammerte die 23-jährige Nadine Thiele fassungslos. Deshalb wollte sie auch keiner hören. Schon gar kein zweites Mal. Als sie in Stockholm noch einmal ihr Siegeslied anstimmten, drehten die Berliner den Ton ab - und unterlegten die Olsens, na, womit wohl - mit "Wadde Hadde Dudde da".

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