Zeitung Heute : Warum der Rücken weh tut

I.M

Hexenschuss, Bandscheibenvorfall, verspannte Nacken und Schultern: Für den aufrechten Gang scheint der Mensch nicht geschaffen zu sein. Mehr als 80 Prozent aller Frauen und Männer klagten schon einmal über Rückenschmerzen, 27 Prozent aller Krankschreibungen liegt ein Rückenleiden zugrunde.

Fehlbelastungen, Bewegungsmangel und Übergewicht können Rückenschmerzen begünstigen. Doch allmählich setzt sich die Erkenntnis durch, dass es auch beim Rücken nicht nur um den Verschleiß von Gelenken, Wirbelkörpern und Bandscheiben geht. Soziale und psychologische Faktoren spielen eine mindestens ebenso große Rolle. Stress in Beruf und Freizeit, fehlende Arbeitsfreude und Motivation, depressive Stimmungen, Hetze, Lärm und Angst um den Arbeitsplatz: All dies wirkt sich nachteilig auf die Schmerzbewältigung aus. Überzogene Ansprüche an die eigene Leistung und mangelnde Fähigkeit zur Entspannung können Schmerzen auslösen oder verstärken.

Häufig finden die Mediziner gar keine körperliche Ursache. In rund 80 Prozent der Fälle stufen sie die Rückenleiden als „unspezifisch“ ein. Nur eines von 2000 Röntgenbildern, die wegen Rückenschmerzen angefertigt werden, führte einer Hamburger Studie zufolge auf die richtige Spur, sagt der Lübecker Sozialmediziner Thomas Kohlmann, Sprecher des bundesweiten Forschungsverbunds Rückenschmerz.

Bei etwa zehn Prozent der Patienten krallt der Schmerz sich fest. Monika Hasenbring vom Institut für Medizinische Psychologie der Universität Bochum entwickelte einen computergestützten Fragebogen, der Risikopatienten anhand von sozialen, emotionalen und kognitiven Faktoren herausfiltert. Er soll es Ärzten erleichtern, eine Therapie auf den individuellen Patienten zuzuschneiden, bevor der Schmerz chronisch werden kann.

Die Angebote reichen von persönlicher Beratung bei vorübergehendem oder dauerhaftem Stress am Arbeitsplatz über kognitive Verhaltenstherapien bis hin zu gezielten Rückenschulen und Entspannungstechniken. In der Praxis muss sich das Bochumer Konzept aber erst noch bewähren. .

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