Zeitung Heute : Warum geht der Wasserläufer nicht unter?

Thomas de Padova

Mit ausgestreckten Beinen liegt er auf dem Wasser. Die langen Unterschenkel seiner Mittel- und Hinterbeine drücken die Wasseroberfläche nur leicht ein. Dann, plötzlich, springt er los. Obwohl er nicht schwimmen kann, hüpft der Wasserläufer über den Teich wie eine Heuschrecke übers Land.

Die Wasseroberfläche trägt ihn wie ein gestrafftes Tuch. Die Wassermoleküle halten erstaunlich fest zusammen. Ihre gegenseitigen Anziehungskräfte machen aus dem Wasserfilm eine elastische Membran. Und solange der Film nicht verletzt wird, schwimmen darauf auch Objekte, die schwerer sind als Wasser: Mit ein wenig Geschick kann man sogar eine Münze aufs Wasser legen.

Der Wasserläufer bewegt sich mühelos auf dieser empfindlichen Haut. „Er hat ein Haarpolster an den Beinen“, sagt Ernst-Gerhard Burmeister, Leiter der Sektion Wasserinsekten der Zoologischen Staatssammlung München. An seinen Unterschenkeln und Füßen sitzen tausende Härchen, die auch Luft einschließen. „Die Haare sind so fein, dass sie den Wasserfilm nicht beschädigen.“

Unter dem Druck seiner gepolsterten Beine spannt sich die Membran. Schlägt der Wasserläufer nun mit seinen Mittelbeinen auf den Teich, entstehen hufeisenförmige Wirbel unter der Wasseroberfläche, durch die das Wasser nach hinten strömt, während das Insekt nach vorne schnellt – um etwa einen kleinen Bachläufer zu fangen und genüsslich auszusaugen.

Auch Velia, der Bachläufer, ist Nichtschwimmer. Er kann nicht einfach abtauchen, wenn ihm der schnelle Wasserläufer nachsetzt. Aber Velia weiß sich zu verteidigen und lässt ein paar Tröpflein hinter sich ins Wasser fallen, die eine ähnliche Wirkung haben wie Spülmittel oder Haarshampoo, das manch einer unbedacht beim Baden im See verwendet: Sie vermindern die Oberflächenspannung des Wassers. Und dann hilft die beste Polsterung nicht mehr: Der Wasserläufer geht unweigerlich unter, sobald er in diese Falle tappt.

AHA!

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