Zeitung Heute : Warum haben Israelis Bunker in der Wohnung?

Björn Rosen

Die neuen Häuser und Apartmentblocks, wie sie sich im Norden von Tel Aviv in den strahlend blauen Himmel schrauben, sind alle schon damit ausgerüstet: mit Schutzräumen. Ganz so, wie es seit den 90er Jahren vorgeschrieben ist. Den Bewohnern dieser neuen Häuser erlauben die neuen Sicherheitsstandards einen etwas entspannteren Umgang mit der Möglichkeit eines Angriffs. Im Moment ist es der Iran, der in Israel als größte Bedrohung wahrgenommen wird. Grund für die Anordnung von Schutzräumen in Neubauten waren aber die Scud-Raketen, die der irakische Diktator Saddam Hussein 1991 auf Tel Aviv abgefeuert hatte. Bei diesen Angriffen trugen die Israelis Gasmasken, denn damals war die Angst vor chemischen Waffen allgegenwärtig.

„Heute muss jedes neu gebaute Apartment einen Schutzraum besitzen“, sagt Benny Rosh vom Heimatfront-Kommando der israelischen Armee. Quasi einen Privatbunker in den eigenen vier Wänden. Der soll Zuflucht vor Detonationen, Einschlägen und giftigen Dämpfen bieten. Deshalb haben die Räume dicke Betonwände und Fensterläden aus Metall, so stark, dass es dem Druck einer Bombenexplosion standhalten kann. Wenn man Tür und Fenster schließt, ist der Raum sogar versiegelt, dann dringt keine Luft mehr von außen ein. „Drinnen sollte es eine batteriebetriebene Lampe geben. Wir empfehlen außerdem, dort Wasser und Lebensmittel parat zu haben“, sagt Benny Rosh. Das Signal, sich in den Schutzräumen zu verschanzen, geben Sirenen. Doch was passiert, wenn die Menschen nach einem chemischen Angriff nicht mehr ins Freie können und die Luft drinnen knapp wird? „Wir haben Pläne, wie wir die Leute dann in Sicherheit bringen können“, sagt Rosh.

Bis zur nächsten Gefahrensituation sieht sich mancher Schutzraum bereits zweckentfremdet – als Kleider-, Rumpel- oder Vorratskammer. Mancher Israeli hat den Raum gar zu einem komfortablen Weinkeller umfunktioniert.

In den älteren Häusern in Israel gibt es noch Gemeinschaftsbunker für alle Bewohner des Gebäudes. Das letzte Mal flohen Israelis aus dem Norden des Landes während des Libanon-Kriegs im vergangenen Sommer in ihre Schutzräume. Die Katjuscha-Raketen, die damals auf ihre Häuser trafen, waren aber nicht mit chemischen Waffen bestückt. Und Rosh konnte den Evakuierungs-Notplan in der Schublade lassen.

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