Zeitung Heute : Warum leben Südaustralier unterirdisch?

Lucas Vogelsang

Wenn die Bewohner des australischen Örtchens Coober Pedy ein neues Haus bauen oder ihr altes vergrößern wollen, kaufen sie ein bisschen Dynamit und sprengen ein Loch in den staubigen Wüstenboden.

Nahezu alle 3500 Einwohner von Coober Pedy leben in sogenannten „dugouts“ unter der Erde. Weil es dort angenehmer ist als in der Hitze der Wüste – und weil ein kleiner Junge dort vor mehr als 90 Jahren ein paar wertvolle Steine gefunden hat. 1915 war der 14-jährige William Hutchinson in der Umgebung des heutigen Coober Pedy mit seinem Vater auf Goldsuche, als er über glitzernde Steine stolperte. Eine Woche später wurde der erste Opal-Claim abgesteckt. Es herrschte Goldgräberstimmung, das Örtchen im Nirgendwo des australischen Outback wurde nun bekannt, ernannte sich selbst zur Opalhauptstadt der Welt. Die Hoffnung auf schnellen Reichtum lockte Glücksritter aus der ganzen Welt an. Überall sprengten Männer wahllos Löcher in die Erde. Es galt das Prinzip: Wirf deinen Hut in den Sand, dort wo er liegen bleibt, fängst du zu buddeln an. Opalsuche ist ein reines Glücksspiel. Aus dieser Zeit stammt auch der Name der Stadt, der eine Ableitung des Aboriginal-Wortes „kupa piti“ ist, das übersetzt „Weißer Mann im Loch“ bedeutet.

1917 ließen sich die ersten Fortschrittspioniere und Kriegsrückkehrer in Coober Pedy nieder. Sie waren es auch, die aus den verlassenen Minen Wohnungen machten. Dort unter der Erde ist es ganzjährig angenehme 20 bis 25 Grad Celsius warm. Man muss im Sommer nicht kühlen, im Winter nicht heizen. Die Männer konnten also kostbares Wasser und Energie sparen. Als alle Minen bewohnt waren, wurden neue Löcher in den Fels gebohrt, so dass eine regelrechte Stadt unter der Erde entstand. Coober Pedy wirkt heute von oben betrachtet wie eine riesige Maulwurfkolonie. Neben den oberirdischen Gebäuden, dem Supermarkt oder dem Kino besteht die Stadt aus Wellblechhütten und Erdhügeln, aus denen schornsteinartige Rohre, Frischluftschächte, ragen.

Die Kosten für eine Dreizimmerwohnung unter Tage entsprechen denen eines Einfamilienhauses. Trotzdem wächst die Untergrundstadt, hat Bibliothek, Kirchen und ein Hotel. Das Einzige, das fehlt, ist Sonnenlicht. Deshalb haben einige Familien inzwischen Wohnungen gebaut, die halb unter und halb über der Erde liegen.

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