Zeitung Heute : Warum nicht in die Ferne schweifen?

Drei Tage lang treffen sich von heute an Existenzgründer und Unternehmer in den Messehallen – und suchen die Chancen von morgen

Roland Koch

START IN DIE SELBSTSTÄNDIGKEIT: DIE DEUTSCHEN GRÜNDER– UND UNTERNEHMERTAGE IN BERLIN

Geschäftsmöglichkeiten im Osten werden in den Berliner Messehallen in den kommenden Tagen ein großes Thema sein. Dort beginnen heute die Gründer- und Unternehmertage (Degut), und wenn ein Ereignis wie die Ost-Erweiterung der EU unmittelbar bevorsteht, lässt das eine Messe für Existenzgründer und Unternehmer nicht kalt. Schließlich wird es vom 1. Mai an zehn neue Mitgliedsländer geben – und damit ein ganzes Füllhorn neuer Marktchancen.

Doch auch in diesem Jahr geht es auf den dreitägigen Degut, die bereits zum zwanzigsten Mal stattfinden, um weit mehr. Die Messe versteht sich als Forum für junge Existenzgründer und Unternehmer. Rund 200 Aussteller wollen den erwarteten 10 000 Besuchern zu allen Fragen rund ums Unternehmertum Rede und Antwort stehen. Die Ausstellerliste reicht von Kammern und Verbänden über Banken bis hin zu den Arbeitsagenturen. Das Motto lautet: „Kontakte – Informationen – Know-how – Ideen – Beratung“.

Dass die Organisatoren des Businessplan-Wettbewerbs, die Investitionsbanken Berlins und Brandenburgs sowie der Unternehmerverband in diesem Jahr die Gestaltung des Seminarprogramms übernehmen, dürfte eine wichtige Unterstützung sein. „In rund 60 Veranstaltungen sollen dabei einzelne Themen vertieft diskutiert werden“, sagt Sven Weickert von der Vereinigung der Unternehmensverbände. Das Angebot reicht von „Der richtige Start“ über „Preiskalkulation“ bis hin zu „Wachstumsfinanzierung“. Weickert ist auch der Seminarkoordinator des Business-Plan-Wettbewerbs, und er preist vor allem das individuelle Coaching an, das es auf den Gründertagen geben wird: In Einzelsprechstunden stehen zahlreiche Gründungsexperten Jungunternehmern bei ihren speziellen Fragen zur Seite.

Zur heutigen Eröffnung werden zunächst die Gründerchampions ausgezeichnet. Das sind junge Unternehmen, die als besonders innovativ gelten – aus jedem der 16 Bundesländer eines. Gründerchampion in Berlin wurde das Unternehmen Ableton AG aus Mitte, das Software für die Herstellung und Verarbeitung von Ton und Musik entwickelt und vertreibt. 93 Prozent seines Umsatzes macht das junge Unternehmen im Ausland.

Veranstaltet wird die Gründermesse auch in diesem Jahr von der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft und dem Brandenburger Wirtschaftsministerium gemeinsam mit der M&A Messe- und Ausstellungsgesellschaft Lübeck. Offizielle Partner sind das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit, die KfW Mittelstandsbank sowie die Investitionsbanken der Länder Berlin und Brandenburg. Schirmherr ist der Bundeskanzler.

Berlin und Brandenburg erleben derweil einen regelrechten Gründerboom. In der Hauptstadt gab es im vergangenen Jahr rund 7700 Unternehmen mehr als im Vorjahr. Mit rund 178 000 Gewerbetreibenden hat die Hauptstadt jetzt eine Selbstständigenquote von 11,8 Prozent. In Brandenburg liegt die Quote bei 10,6 Prozent, im Bundesdurchschnitt bei 10,8 Prozent.

„Seit Jahren schon hat Berlin eine hohe Selbstständigenquote“, sagt Christoph Lang von der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft. „Das liegt im Wesentlichen an den guten Rahmenbedingungen wie günstigen Gewerberäumen oder hohen Studentenzahlen.“ Aber auch die vereinfachten Möglichkeiten, über eine Ich-AG selbstständig zu werden, hätten im vergangenen Jahr eine wichtige Rolle gespielt. Allein in Berlin gab es 6700 dieser neuen Förderungen – alles in allem Zahlen, die die Organisatoren der Gründertage zu ihrem zwanzigsten Geburtstag bestimmt gerne sehen.

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