Zeitung Heute : Warum sind in Schweden die Häuser so bunt?

Johanna Lühr

Lisa, Britta, Inga, Lasse, Bosse und Ole sind die glücklichsten Kinder der Welt. Das liegt erstens daran, dass sie den ganzen Tag draußen spielen und zweitens an ihrem zu Hause. Drei Häuser gibt es in Bullerbü, und alle drei sind aus Holz, rot gestrichen mit weißen Fensterrahmen. Dabei sind die Schweden geblieben und leben heute noch wie im Bilderbuch: landauf, landab stehen rote, blaue und gelbe Häuschen, davor strohblonde Schwedenkinder mit roten Wangen, die Wollpullis tragen und Butterstullen essen, während sie auf dem Steg sitzen und mit den Beinen baumeln.

Die Farben kommen aus Falun, einer kleinen Stadt in Mittelschweden, in deren Nähe eine Kupfermine liegt. Aus dem Abfall, verwittertem Schwefelkies, wurde rote Farbe gemacht. Im 16.Jahrhundert wollte man damit Ziegel imitieren und bemalte deshalb Herrenhäuser, Schlösser und Kirchen. Weil die Farbe so schön und billig war und das Holz gut konservierte, strich bald darauf jeder Schwede sein Häuschen in „Faluröd“, so wohnten alle Nachbarn in gleichfarbigen Häusern – siehe Bullerbü – und zeigten so, dass sie zusammengehörten. In Uppsala verordnete der Stadtrat einst sogar per Gesetz den einheitlich roten Anstrich.

Falunrot, den Klassiker, gibt es immer noch, dazugekommen sind gelb und blau, die schwedischen Nationalfarben, auch wenn man heute damit nicht unbedingt als Erstes die Flagge assoziiert (gelbes Kreuz auf blauem Grund, die Farben stammen noch aus dem königlichen Staatswappen), sondern eher Ikea. Überall, wo die gelben Buchstaben auf blauem Containerdach stehen, ist Schweden.

Und nicht nur dort. Im Norden Japans gibt es ein kleines Städtchen namens To-bitsu-Tcho, das aus lauter bunten Schwedenhäusern besteht. Der Manager des Örtchens, in dem bereits 6000 Japaner wohnen, hat die Holzhütten in seinem Europa-Urlaub entdeckt und importiert. 100 Jahre sollen die Häuschen halten, die Farbe bis zu 15 Jahre, und, so verspricht ein Bauexperte im Internet, sie blättert bei Verwitterung nicht ab, sondern wird einfach weniger.

In Deutschland kann man die Farbe nur schwer bekommen, also lässt man sich lieber gleich das ganze Haus liefern. Axel Kukuk zum Beispiel verkauft seit ’96 Schwedenhäuser und schwärmt von diesem liberalen Land ohne Vorschriften, wie man die Fassaden zu streichen hat. Die Deutschen schielen schon länger neidisch gen Norden: Dort haben sie die besseren Schulen und mehr Ärzte, Frauen in der Politik sind nichts Ungewöhnliches, genauso wenig wie Männer mit Erziehungsurlaub. Und eine Königin haben sie obendrein. Ach die Schweden, vielleicht sollten wir einfach in solch bunten Häusern wohnen, und dann läuft alles wie in Bullerbü.

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