Zeitung Heute : Was auf die Knochen geht

fahndet nach guten Nachrichten in der Medizin Heute: Hilfe bei Osteoporose

Hartmut Wewetzer

Plötzliche, heftige Rückenschmerzen im fortgeschrittenen Lebensalter sind manchmal das erste Zeichen für poröse Knochen, Osteoporose genannt. Dass die Knochensubstanz dünn und dünner wird, bleibt oft lange unentdeckt, ehe die Osteoporose sich durch schmerzhafte Knochenbrüche bemerkbar macht. Es kann ein Wirbelkörper sein, der nicht mehr standhält, in sich zusammensackt und die schlagartigen Rückenschmerzen hervorruft. Oder eine gebrochene Hüfte.

Dieser Tage ist im Fachblatt „New England Journal of Medicine“ eine Studie veröffentlicht worden, die bei der Osteoporose-Bekämpfung einen wichtigen Fortschritt darstellen könnte. Dabei ging es um die Behandlung von Frauen nach den Wechseljahren – diejenige Personengruppe, die am stärksten von Osteoporose betroffen ist. Knapp 8000 Frauen bekamen einmal jährlich entweder den Wirkstoff Zoledronsäure oder ein wirkstofffreies Scheinmedikament, ein Placebo, in die Venen geträufelt.

Nach drei Jahren stellte sich heraus, dass die 15 Minuten dauernde Infusion der Zoledronsäure das Risiko von Wirbelkörperbrüchen um 70 Prozent und die von Oberschenkelhalsbrüchen um rund 40 Prozent gesenkt hatte. Ein solcher Rückgang des Knochenbruchrisikos sei bei keinem weiteren Medikament beobachtet worden, kommentiert Dieter Felsenberg, Leiter des Zentrums für Muskel- und Knochenforschung der Charité. Das komme „einer Heilung nahe“. Auch wenn manche Patienten eine Infusion in die Vene ablehnen dürften (obwohl sie nur einmal im Jahr erforderlich ist) – für andere kann gerade sie einen Vorteil darstellen, die mitunter umständliche und viel häufigere Einnahme ähnlicher Medikamente zu umgehen.

Zoledronsäure gehört zu den Bisphosphonaten. Diese Wirkstoffe setzen sich an der Oberfläche der Knochen fest und hemmen jene Zellen, die Knochen abbauen. Damit blockieren sie den Knochenschwund. Zoledronsäure wird auch bei der Behandlung von Knochenkrebs erfolgreich eingesetzt und kann das Ausbreiten von Tochtergeschwülsten im Knochen bremsen, Schmerzen lindern und Brüche verhindern.

Allerdings ist aus der Krebsbehandlung auch bekannt, dass die Medikamente zu schmerzhaften „Löchern“ im Kieferknochen führen können, Osteonekrosen genannt. „Ein erhöhtes Risiko für diese Nebenwirkung wurde bei der Osteoporose-Behandlung aber nicht festgestellt“, sagt Felsenbergs Kollege Oliver Bock. Das könnte etwa daran liegen, dass der Wirkstoff nicht so hoch dosiert werden muss wie bei Krebspatienten. Dafür traten bei einigen Patienten Herzrhythmusstörungen als Nebenwirkung auf.

Der Hersteller Novartis hofft, dass Zoledronsäure („Aclasta“) noch in diesem Jahr zur Osteoporose-Behandlung zugelassen wird. Klar ist aber auch, dass das Mittel kein Ersatz für kalzium- und Vitamin-D-reiche Ernährung und knochenstärkende Bewegung darstellt. Das eine kann das andere nicht ersetzen.

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