Zeitung Heute : Was bleibt, ist der Ruf

Der Tagesspiegel

Von Stephan-Andreas Casdorff

Nichts ist so hartnäckig wie ein schlechter Ruf. Deshalb ist es gut und richtig, aber auch zwangsläufig, dass die Sozialdemokraten daran arbeiten, die Affäre um Müll und Korruption mit aufzuklären. Dass seit Monaten die Staatsanwaltschaft ermittelt, ist kein hinreichender Grund, ihre Ergebnisse abzuwarten und womöglich zu hoffen, es werde gar nicht so schlimm. Lebensklug, wie Franz Müntefering ist, hat er mit dem Gegenteil gerechnet. Weshalb sonst hätte die Partei seinen Auftritt vor dem Untersuchungsausschuss so begleitet: mit vorausgehender Ehrlichkeit. Auch die CDU, die in den letzten zwei Jahren ihre Erfahrungen gemacht hat, wird zugeben müssen, dass die SPD mit nichts hinterm Müllberg hält. Nichts von dem, was sie bisher weiß.

Die Liste der Spender wird veröffentlicht, dazu die Liste derer, die Spendenquittungen erhalten haben. Vorverurteilungen verbieten sich. Aber wer sich verteidigen kann mit guten Gründen, der braucht die Offenlegung nicht zu fürchten. Nur gilt auch hier: Schnell muss es gehen. Denn genau das ist es, was die Sozialdemokraten erreichen wollen – dass es auf diese Weise schneller zu Ende geht. Ein bisschen schneller als bei der CDU.

Immerhin haben 106 Kölner SPD-Funktionäre die geforderten Ehrenerklärungen abgegeben, sind Klagen gegen zwei auf dem Weg. Auch die übrige Partei wird von ihren Frontleuten, vom neuen Landesvorsitzenden Harald Schartau und Ministerpräsident Wolfgang Clement, erkennbar nicht geschont. Wer Dreck verbergen will, wird nicht gedeckt. Nun kann man sagen, das sei das Mindeste. Mindestens das muss man aber auch sagen: Es geht tief hinein in die Sozialdemokratie und im Kern um ihre Regierungsfähigkeit, im Land und im Bund. Der Ausgang des Reinigungsprozesses ist ungewiss.

Nur wenn der Wille unzweideutig ist, besteht Hoffnung, die Mitglieder, die Anhänger und Wähler davon zu überzeugen, dass nicht die Mehrheit wegen einer kleinen Minderheit in Generalverdacht genommen werden darf. Das war auch ein Argument der CDU, wird darum aber nicht falsch. Wer in der Politik nicht um seinen Ruf kämpft, verliert mehr als den. Müntefering kämpft.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar