Zeitung Heute : Was das alles kostet

Alfons Frese

Die Gewerkschaft Verdi hat der Arbeitskampf bislang 30 Millionen Euro gekostet. Theoretisch. Ganz genau weiß das wohl niemand, nicht einmal Gerd Herzberg, der im Verdi-Vorstand für die Finanzen und für die eigene Vermögensverwaltungsgesellschaft zuständig ist, zu der auch die Streikkasse gehört. Wie viel Geld in dieser Kasse liegt, ist hoch geheim. Denn die Arbeitgeber sollen keine Anhaltspunkte über die Streikfähigkeit bekommen. Das Verdi-Vermögen indes beträgt gut drei Milliarden Euro, so dass auch ein langwieriger Arbeitskampf nicht an die Substanz der Gewerkschaft gehen dürfte.

Aber wie setzen sich die 30 Millionen Euro zusammen? Der Betrag umfasst das Streikgeld für die Gewerkschaftsmitglieder, die inzwischen seit gut sechs Wochen die Arbeitszeit von 38,5 Stunden mit ihrem Ausstand verteidigen wollen. Jeder Streikende enthält pro ausgefallenem Arbeitstag von seiner Gewerkschaft einen Betrag in Höhe seines monatlichen Gewerkschaftsbeitrags multipliziert mit 2,5. Der Gewerkschaftsbeitrag beläuft sich auf ein Prozent des Bruttomonatslohns.

Unterstellen wir nun der Einfachheit halber eine durchschnittliches Monatseinkommen von 2000 Euro, so zahlt das Verdi-Mitglied 20 Euro Beitrag im Monat. Für einen Streiktag gibt es dann also 50 Euro (2,5 mal 20). Und da inzwischen sechs Wochen gestreikt wird, sind 30 Werktage als Streiktage zu veranschlagen. Das Verdi-Mitglied mit 2000 Euro Bruttoeinkommen und seit sechs Wochen im Arbeitskampf bekommt also als Streikgeld und gewissermaßen Lohnersatz 1500 Euro von der Gewerkschaft. Nach Angaben von Verdi liegt der Betrag leicht unterhalb des Nettoeinkommens, das bei normalen Arbeitseinsatz erzielt worden wäre.

Wiederum aus Gründen der Einfachheit setzen wir die durchschnittliche Zahl der Streikenden bei 20 000 an. Und 20 000 mal 1500 Euro macht 30 Millionen Euro. Diese Zahl gibt zumindest einen Anhaltspunkt über die Höhe des ausgezahlten Streikgeldes.

Hinzu kommenAufwendungen für Logistik und Material. So gibt es beispielsweise eine bundesweite Postwurfsendung der beteiligten Gewerkschaften, mit der bei der Bevölkerung um Verständnis für die Streikziele geworben wird. Diese Wurfsendung gibt es indes nicht in Berlin und Hessen, da diese beiden Bundesländer nicht zur Tarifgemeinschaft der Länder gehören.

Wie viel der Streik die Arbeitgeber kostet, also Länder und Kommunen, lässt sich überhaupt nicht quantifizieren. Hier und da wurde von Arbeitgebervertretern sogar darauf hingewiesen, dass man durch den Streik Personalkosten spare. Und der Schaden für die Bürger ist gleichfalls nicht bezifferbar. Denen geht es vor allem auf die Nerven.

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