Zeitung Heute : Was den Starken schwächt

Anselm Waldermann

Der Euro ist auf dem Höhenflug. Einige Experten erwarten eine Intervention der Europäischen Zentralbank. Was wären Ziel und Wirkung einer solchen Intervention?

Seit Wochen spekulieren Währungsexperten, ob die Europäische Zentralbank (EZB) die anhaltende Aufwertung des Euro stoppen wird. Donnerstag hat EZB-Chef Jean-Claude Trichet den teuren Euro erneut als „nicht willkommen“ bezeichnet. Allerdings ließ er offen, ob und wie die EZB etwas gegen die Euro-Aufwertung unternehmen wird.

Dabei ist das Problem drängend: Der hohe Eurokurs verteuert europäische Produkte auf dem Weltmarkt, gleichzeitig werden amerikanische Produkte immer wettbewerbsfähiger. Hauptgrund für den schwachen Dollar sind die amerikanischen Zwillingsdefizite: das Haushaltsdefizit und das Leistungsbilanzdefizit. Denn die USA leben über ihre Verhältnisse, und das trübt das Vertrauen der Märkte in den Dollar.

Da es nicht danach aussieht, dass die Amerikaner ihre Defizite abbauen, richten Analysten ihr Augenmerk vor allem auf die EZB. Sie hat drei Möglichkeiten, die Wechselkurse zu beeinflussen. Der einfachste Weg ist die verbale Intervention. Wenn Trichet die Euro-Aufwertung beispielsweise als „brutal“ bezeichnet, fassen das Analysten als Warnung auf, dass die Notenbank einer weiteren Aufwertung nicht tatenlos zuschauen wird. Die Händler setzen daraufhin auf ein geringeres Kurswachstum, was dann meist auch eintritt. Allerdings: In den vergangenen Wochen hat die EZB ihren Worten keine Taten folgen lassen. So verlieren verbale Mahnungen schnell an Wert.

Eine andere Möglichkeit ist die indirekte Intervention. Wenn die EZB die Zinsen senkt, werden Investitionen in europäische Anleihen weniger attraktiv. Anleger würden sich aus dem Euroraum zurück ziehen und ihre Euros verkaufen. Durch das höhere Angebot würde der Preis sinken – der Höhenflug des Euro wäre gestoppt. Allerdings gefährden niedrige Zinsen auch die Preisstabilität, die Inflationsgefahr steigt.

Die dritte Alternative ist die direkte Intervention. Wenn die EZB große Mengen einer Währung aufkauft oder verkauft, kann sie damit den Preis steuern. Durch den Kauf von Dollars könnte die EZB den Preis nach oben treiben. Eine solche Intervention ist allerdings teuer. Günstiger wäre es, wenn sich die EZB mit anderen Zentralbanken auf ein gemeinsames Vorgehen einigen würde. Gerüchten zufolge laufen mit Japan entsprechende Gespräche. Die einfachste Lösung wäre jedoch eine abgestimmte Aktion der EZB zusammen mit der amerikanischen Notenbank. Doch die stellt sich bisher quer.

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