Zeitung Heute : Was die Bonner nicht wollen, dürfen die Berliner bald mieten

Das Bild von Geisterstädten hat sich schon fast eingeprägt: Wo einst die Angehörigen der Schutzmächte wohnten, herrscht in weiten Siedlungsteilen Leerstand. Ob in Zehlendorf, Spandau oder in Reinickendorf - Tausende von Wohnungen in mehrstöckigen Häusern stehen leer, weil der Bedarf zuziehender Bundesbediensteter überschätzt wurde. Die Bundesvermögensverwaltung der Oberfinanzdirekton will nun in der letzten Oktober- und ersten Novemberwoche fünf Gebiete mit ehemaligen Alliiertenwohnungen dem freien Wohnungsmarkt anbieten und die Wohnungen unter anderem im Tagesspiegel öffentlich ausschreiben.

Interessenten könnten sich dann am Ort Bewerbungsbögen abholen und hoffen, später bei der Vergabe berücksichtigt zu werden. Bei den Gebieten handelt es sich einmal um die früher von den Franzosen bewohnte Gegend rund um den Flughafen Tegel, die Cités Guynemer, Pasteur und Joffre am Kurt-Schumacher-Damm. Zweiter Standort ist Spandau, unter anderem mit Wohnanlagen an der Schmidt-Knobelsdorf-Straße, am Baedekerweg und an der Darbystraße. Als drittes Angebot gelten - ebenfalls in Spandau und einst von Engländern bewohnt - Häuser am Kladower Damm in der Nähe des alten Flughafens Gatow. Außerdem können zwei Zehlendorfer Gebiete mit ehemaligen Wohnungen der Amerikaner bezogen werden: In Düppel rund um die Lissabonallee und die Siedlung am Dahlemer Hüttenweg.

Rund 3000 Wohnungen umfasst das Angebot nach Angaben des OFD-Sprechers Helmut John. Allerdings könnte die Zahl der freien Wohnungen bis dahin noch schrumpfen. Denn der Bestand in diesen fünf Gebieten wurde inzwischen auch Berliner Bundesbediensteten angeboten. Deren Bewerbungsschluss ist am 15. Oktober.

John wies darauf hin, dass es sich um Geschosswohnungen handelt, nicht um Einfamilien- und Reihenhäuser; für diese gebe es eine Vielzahl von Bewerbern aus Reihen der Bonner Zuzügler, weshalb man auch auf Räumungsklagen gegen Zwischenmieter nicht verzichten werde. Dies geschehe im Einklang mit dem Bundesbauministerium.

Individuellen Bedarf könne man aber bei Geschosswohnungen in diesen Bereichen nicht nachweisen. Der Sprecher betonte, dass Hoffnungen auf verbilligten Wohnraum unberechtigt sind. Es gebe keine Subventionen, "die Zeiten, in denen wir uns am unteren Rand des Mietspiegels bewegen, sind vorbei". Die Miete werde je nach Lage und Ausstattung den üblichen Werten des Mietspiegels entsprechen. C. v. L.

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