Zeitung Heute : Was Frauen unternehmen

Christian Tretbar

Die Grünenfraktion im Bundestag startet die Initiative „Schluss mit der Männerdominanz in Aufsichtsräten“. Was müsste geschehen, damit dieses Ziel erreicht wird?


Als der neue Siemens-Chef am Sonntag in München vorgestellt wurde, da hatte die einzig anwesende Frau auf Seiten des Konzerns nur die Aufgabe, Journalisten aufzurufen. Zu mehr scheint es bei der Siemens AG nicht zu reichen. Und das obwohl immerhin drei Frauen im Aufsichtsrat des Konzerns sitzen – überdurchschnittlich viele. Denn im Schnitt sind es nur zwei bei den 30 Dax-notierten Unternehmen. Dabei gibt es starke Ausreißer in der Statistik. Bei der Deutschen Post AG haben es gleich sechs Frauen geschafft, bei Daimler dagegen nicht mal eine. In den Vorstandsetagen der Dax-Unternehmen gibt es nur eine Frau. Insgesamt liegt der Anteil in den Aufsichtsräten bei 7,5 Prozent, wovon allerdings 80 Prozent Arbeitnehmervertreter sind. Die Grünen wollen nun per Gesetz gegen diese Unterrepräsentation vorgehen. Nach dem Beispiels Norwegens, Spaniens und Schwedens wollen sie eine Quotenregelung im Aktiengesetz verankern. Bis 2012 sollen 40 Prozent eines Aufsichtsrates mit Frauen besetzt sein. „Weiter auf Freiwilligkeit zu setzen ist aussichtslos“, sagt Irmingard Schewe-Gerigk, Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen. Wird die Quote nicht erreicht, soll den Konzernen im schärfsten Fall sogar der Entzug der Börsenzulassung drohen. „Es geht uns auch um eine andere Kultur in den Unternehmen“, sagt Schewe-Gerigk. Bordellbesuche als Bestechungsmittel, wie es sie bei VW gegeben habe, seien mit einem größeren Frauenanteil in den Aufsichtsräten nicht denkbar.

Große Erfolgsaussichten hat dieser Oppositionsantrag nicht. „Aber unter der Hand haben uns schon viele SPD- und auch CDU-Abgeordnete ihre Sympathie für dieses Anliegen signalisiert, nur dürfen sie dem nicht zustimmen“, sagte die Grünen-Politikerin. Tatsächlich sehen viele Koalitionspolitiker das Problem genauso, nur die Lösungsansätze sind unterschiedlich. „Die Vorstände und die restlichen Führungsgremien stärker mit Frauen zu besetzen ist wichtiger als nur die Aufsichtsräte“, sagt Ursula Heinen, Vorsitzende der Gruppe der Frauen in der Unionsfraktion. „Aber nicht über staatliche Vorschriften.“ Wichtig sei, dass sich Frauen stärker untereinander vernetzen.

Genau das ist die männliche Strategie. Und für viele Frauen laut einer Forsa-Umfrage das Haupthindernis, um höher hinaus zu kommen. Eine Ausnahme, die die Regel bestätigt, ist Renate Köcher. Sie ist Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie in Allensbach und sitzt gleich in vier Aufsichtsräten (Allianz, BASF, Infineon und MAN). „Das liegt an ihrer Vernetzung“, sagt Sonja Bischoff, Professorin an der Universität Hamburg. Sie hat schon mehrere Studien zur Rolle der Frauen in Führungspositionen gemacht und hält eine Quote nur bedingt für erfolgversprechend. „Das ist in einer Übergangszeit denkbar“, sagt Bischoff. Das Beispiel Norwegen zeige, dass es vor allem an potenziellen Kandidatinnen fehle. In Norwegen wird es gerade für technologische Unternehmen immer schwieriger, Frauen in Führungspositionen zu rekrutieren. In Deutschland gebe es aber genug qualifizierte Frauen, sagt Schewe-Gerigk.

Für Klaus Uwe Benneter, SPD-Berichterstatter für diesen Antrag, kommt eine Quotenregel in dieser „rigiden“ Form nicht infrage: „Von 7,5 auf 40 Prozent in so kurzer Zeit halte ich für lebensfremd“. Er könnte sich aber einen Stufenplan vorstellen. „Eine Verdoppelung innerhalb einer bestimmten Zeit ist für mich denkbar“, sagt Benneter. Allerdings sieht er in der großen Koalition für eine solche gesetzliche Regelung keine Mehrheiten.

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