Zeitung Heute : Was für ein Korn

Bas Kast Harald Maas

Eigentlich ist Genreis in China nur für den Anbau auf Testfeldern zugelassen. Doch nach Greenpeace-Informationen gelangt gentechnisch veränderte Reissaat dort immer häufiger in den Großhandel. Untersuchungen des deutschen Testlabors Genescan hätten in den vergangenen Wochen ergeben, dass zum Beispiel auf Großmärkten in der südchinesischen Stadt Guangzhou (Kanton, Provinz Guangdong) gentechnisch veränderte Reissaat verkauft werde. Bereits im April hatte Greenpeace anhand von Proben die Ausbreitung von Genreis in der zentralchinesischen Provinz Hubei nachgewiesen.

Dabei geht es nicht nur um kleine Mengen: Der nur zu Testzwecken zugelassene Reis werde von einem Großhändler auf dem Haizhu-Markt in Guangzhou zum Anbau an Bauern weiterverkauft, heißt es bei Greenpeace. Der Großhändler setze am Tag insgesamt 60 Tonnen Reissaat um. „Dies zeigt, dass sich der illegal in Hubei genveränderte Reis weiter ausbreitet“, sagte Sze Pang Cheung von Greenpeace in Hongkong. Damit wachse die Möglichkeit, dass gentechnisch veränderter Reis aus China auch in andere Länder verkauft werde, sagte Sze.

China ist das erste Land weltweit, in dem genetisch veränderter Reis in die Nahrungskette gelangt sein dürfte. Bei dem gefundenen Saatgut geht es um die mit einem Gen des „Bacillus thuringiensis“ versetzte Sorte „Kangchong Schanyou 63“. Sie wurde von chinesischen Forschern entwickelt und soll die Pflanzen gegen Schädlinge resistent machen. Ob damit auch Gefahren einhergehen, wird allerdings noch erforscht. Auszuschließen ist es damit nicht.

Zumindest für die Bauern dürfte sich die Gentechnik jedoch als Vorteil erweisen, auch gesundheitlich. Das wiesen Forscher in einer Studie im Fachblatt „Science“ erst kürzlich nach. Da man für die Pflanzen weniger Insektenvernichtungsmittel brauche, habe es auch weniger Krankheitsfälle unter Bauern gegeben, die auf Chemieeinsatz zurückgehen.

Und für den Verbraucher? „So weit wir wissen, besteht keine Gefahr“, sagt Klaus- Dieter Jany, Leiter des Molekularbiologischen Zentrums der Bundesforschungsanstalt für Ernährung in Karlsruhe. Nach jetzigem Kenntnisstand hätte der Genreis auch für den Verbraucher eher Vorteile, weil dieser weniger von Pilzgiften befallen werde. s

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