Zeitung Heute : Was geboten ist

Bernd Hops

Kurz bevor das Übernahmeangebot des Bayer-Konzerns für Schering ausläuft, hat das Pharmaunternehmen Merck im großen Stil Schering-Aktien gekauft. Was kann Bayer jetzt noch tun, um sich die nötige Mehrheit an Schering zu sichern?


Wenn sich zwei um etwas streiten, das ein dritter besitzt, dann gewinnt in der Regel derjenige, der am meisten Geld bietet. Bei der Auseinandersetzung zwischen Bayer und Merck um die Anteile am Berliner Pharmakonzern Schering ist die Lage schwieriger. Bayer will unbedingt die Mehrheit an Schering – kann aber Merck nicht überbieten. Derzeit kosten Schering-Aktien an der Börse kontinuierlich mehr als 86 Euro und liegen damit über dem Preis, den Bayer in seinem Übernahmeangebot für die Anteilsscheine festgesetzt hat. Da das Angebot bereits einmal verlängert wurde – es läuft bis kommenden Mittwoch –, kann es aus rechtlichen Gründen nicht einfach erhöht werden. Und auch an der Börse darf Bayer deshalb nicht mehr als die 86 Euro zahlen. Eine Anhebung des Preises nach Ablauf der aktuellen Übernahmefrist ist eigentlich erst nach einem Jahr möglich, außer Schering und die Finanzaufsicht Bafin stimmen zu.

Den Leverkusenern bleiben deshalb nur zwei Wege, sich den Sieg zu sichern: Zum einen müssen sie die unentschlossenen Schering-Aktionäre davon überzeugen, dass ihr Angebot trotz des niedrigeren Preises das bessere ist. Ansatzpunkt dürfte dabei sein, dass sich Merck zu seinen Motiven bisher nicht klar geäußert hat.

Zum anderen prüft Bayer derzeit nach Angaben aus Konzernkreisen eine einstweilige Verfügung gegen Merck. Das berichtet das Handelsblatt. Die Darmstädter hätten demnach nicht, wie vom US-Recht gefordert, deutlich gemacht, mit welchem Ziel sie ihren Schering-Anteil auf über fünf Prozent erhöhten. Gegenüber der US-Börsenaufsicht SEC gab es nur den Hinweis, man wolle sich absichern, sollte Bayer mit seinen Plänen scheitern.

Merck war im März in einem Bieterwettbewerb gegen Bayer unterlegen, weil die Darmstädter nicht mehr als 86 Euro zahlen wollten. Ihr Angebot hatte bei lediglich 77 Euro gelegen – und damit insgesamt etwa zwei Milliarden Euro unter dem der Rheinländer.

Mittlerweile besitzt Merck schon 18,6 Prozent an Schering, den größten Teil dieser Aktien hat Merck erst in den vergangenen Tagen erworben. Bayer hat sich bisher 61,52 Prozent gesichert. Damit die Übernahme aber wie geplant gelingt, braucht Bayer bis zum 14. Juni mindestens 75 Prozent. Schafft Merck dagegen 25 Prozent und eine Aktie, dann hätte man bei Schering eine Sperrminorität und könnte alle wichtigen Entscheidungen torpedieren.

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