Zeitung Heute : Was gehört zum privaten Pflege-Tüv?

Wie die Auswahl eines Pflegedienstes oder Pflegeheimes vorbereitet und organisiert wird

Katja Gartz

Viele Heime und Pflegedienste buhlen um das Geld der Pflegekassen. Doch nicht jedes Pflegeheim gewährleistet die gesetzlich vorgeschriebene Versorgung pflegebedürftiger Menschen. Immer wieder gelangen haarsträubende Missstände an die Öffentlichkeit. Diesen sollen durch bessere Informationen abgeholfen werden. Nach Angaben von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) sieht das neue Pflegereformgesetz vor, dass die Qualität von stationärer und ambulanter Pflege künftig öffentlich gemacht wird – und zwar auch für Laien verständlich. Danach soll ab 2009 ein Pflege-Tüv eingeführt werden.

So sind vom kommenden Jahr an alle Pflegeeinrichtungen verpflichtet, ihre Qualität zu kennzeichnen. Bis Ende 2010 soll jede Einrichtung vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDS) geprüft werden, die Ergebnisse müssen ebenfalls öffentlich zugänglich sein. Dabei sollen die im Internet und in gedruckter Form veröffentlichten Qualitätsberichte nicht nur ein Gesamturteil über die Einrichtung beinhalten, sondern auch wichtige Einzelpunkte berücksichtigen. Dazu zählen nicht nur die Qualität der Pflege bei Inkontinenz oder Druckgeschwüren, sondern auch eine ausreichende Versorgung mit Essen und Trinken, wie MDS-Chef Peter Pick sagte.

Wer bereits vor dem längst fälligen Pflege-Tüv Einrichtungen oder Dienste in Anspruch nehmen muss, sollte bei der Auswahl Folgendes beachten: Zunächst sollten sich Pflegebedürftige über vorhandene Angebote informieren. Eine Liste von Pflegeheimen kann bei den Pflegekassen, Verbraucherzentralen und Beratungsstellen angefordert werden. Ist eine Auswahl getroffen, sollten Gespräche mit der Einrichtungsleitung sowie ausgiebige Besichtigungen folgen. Werden alle Fragen freundlich und kompetent beantwortet, wie ist die Atmosphäre, werden die Bewohner gut versorgt, ist ein Probewohnen möglich? Wie riecht es in der Einrichtung? Antworten auf diese Fragen helfen bei der Beurteilung. Vor der Unterzeichnung des Heimvertrages sollte dieser zu Hause ausführlich gelesen und geprüft werden. Im Vertrag müssen alle Leistungen und dafür anfallenden Kosten beschrieben sein: Art, Inhalt und Umfang der Unterkunft, der Verpflegung und der Betreuung. Es muss außerdem erkennbar sein, welche Kosten von der Pflegekasse übernommen werden und wie hoch der zu zahlende Eigenanteil ist. Zu klären ist auch wie viel Personal pro Schicht beschäftigt wird und wie das Verhältnis von Fach- und angelernten Kräften ist.

Die Pflege sollte so gestaltet sein, dass vorhandene Fähigkeiten des Bewohners erhalten und gefördert werden. Dafür muss das Personal genügend Zeit aufbringen können. Auch ein abwechslungsreiches Beschäftigungsangebot sollte vorhanden sein, beispielsweise eine Bibliothek, kulturelle Veranstaltungen, Koch- und Malkurse. Wichtig ist ebenfalls ein adäquates Zimmer. Ein Bewohner, der am Alltagsgeschehen noch rege teilnimmt, sollte sein Zimmer nicht mit einem schwer gehandicapten Patienten teilen müssen. Ratsam ist vor dem Einzug in eine Pflegeeinrichtung immer ein Preis- und Leistungsvergleich. Ist ein pflegebedürftiger Mensch nicht auf stationäre Versorgung angewiesen, können ambulante Pflegedienste den Alltag zu Hause erleichtern. Auch bei den Diensten gilt es, sich über Leistungen und Kosten zu informieren. Zugelassen sind nur die Pflegedienste, die mit den Kassen einen Versorgungsvertrag abgeschlossen haben. Die Zulassung gilt gleichzeitig als Qualitätsnachweis. Der Pflegedienst sollte gewährleisten, dass er im Bedarfsfall möglichst schnell vor Ort sein kann und auch am Wochenende oder nachts per Notruf erreichbar ist. Den individuellen Bedürfnissen entsprechend ist ein Pflegeplan zu erstellen. Zur Abrechnung mit der Pflegekasse muss der Pflegedienst seine Leistungen monatlich schriftlich nachweisen. Um dies überprüfen zu können, sollten sich die Pflegebedürftigen die Leistungsnachweise kopieren lassen.

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