Zeitung Heute : Was Geld wert ist

Kurt Sagatz

Die Bahn lässt keine EC-Karten mehr als Zahlungsmittel im Zug zu. Was muss geschehen, damit weiter überall mit EC-Karte bezahlt werden kann?

„Wir mögen EC-Karten auch weiterhin, aber eben nur noch am Automaten oder am Schalter“, verteidigt Bahn-Sprecherin Monika Bloch eine nicht gerade populäre Entscheidung kurz vor Beginn der Hauptreisezeit. Denn die Deutsche Bahn AG wird von August an keine EC-Karten mehr in ihren Zügen akzeptieren. Der Missbrauch mit diesem Zahlungsmittel habe in den vergangenen Monaten stark zugenommen, die Verluste bei der Bahn seien auf einige Millionen Euro angestiegen. Wer seine Fahrkarten künftig im Zug erwerben möchte, muss sie entweder bar oder mit einer Kreditkarte bezahlen.

Doch warum sind EC-Karten in jüngster Zeit so unsicher geworden? Verliert möglicherweise die EC-Karte selbst ihre Bedeutung als wichtigstes Hilfsmittel für den bargeldlosen Zahlungsverkehr? Die Antworten auf beide Fragen lauten: Nein. Die EC-Karte ist nicht unsicherer geworden als zuvor, nur nimmt die Zahlungsmoral der Kunden offenbar rapide ab. Und je nach Abrechnungsverfahren hat dies höchst unterschiedliche Auswirkungen. Die unsicherste Methode ist das Lastschriftverfahren ohne elektronische Überprüfung, das bisher in Zügen eingesetzt wurde. Wenn es sich um eine gestohlene oder gesperrte Karte handelt oder das Konto nicht gedeckt ist, bleibt der Händler – in diesem Fall die Bahn – auf der offenen Rechnung sitzen. Anders bei Kreditkarten: Wenn nicht gerade der Besitzer grob fahrlässig mit seinen Daten umgeht, trägt in fast allen Fällen das Kreditkarten-Unternehmen das Risiko.

Gerade vor dem Hintergrund der sinkenden Zahlungsmoral hat auch Michaela Roth vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband volles Verständnis für die Entscheidung der Bahn. Die ungeprüfte Abrechnung per Lastschrift gehöre zu den nicht autorisierten und somit nicht empfohlenen Zahlungsmethoden, bei der im Missbrauchsfall keine Kostenerstattung garantiert werde. Immer mehr Händler würden darum auch auf das sichere EC-Cash-Verfahren umsteigen, bei dem der Kunde die Echtheit seiner Karte mit seiner Sicherheitsnummer, der PIN, bestätigt. Diese Daten werden dann elektronisch über das Telefonnetz verifiziert. Dieses Verfahren hat finanzielle Vorteile: Inzwischen sind die Verluste aus Lastschriftverfahren, zusammengefasst in der Rücklastschriftquote, höher als die Gebühren für das PIN-Verfahren, bei dem die Händler auch bei Missbrauch ihr Geld erhalten.

Doch was wäre nun praktisch nötig, damit der Bahnkunde wieder im Zug mit EC-Karte zahlen kann? „Es gibt durchaus Geräte, die die Sicherheitsüberprüfungen über die Handynetze vornehmen können“, erklärt Michaela Roth. Die Bahn sieht das anders: Noch fehlten Beispiele, wo sich diese Technik im praktischen Einsatz befinden. „Absehbar ist es darum unwahrscheinlich, dass in der Bahn wieder mit EC-Karte bezahlt werden kann“, so Monika Bloch. Selbst wenn prinzipiell eine Onlineprüfung möglich wäre, muss dieses System noch nicht in der Bahn funktionieren. Da nur jede 20. Fahrkarte im Zug bezahlt wird, ist möglicherweise das Interesse der Bahn an einer kostspieligen Aufrüstung ihrer Systeme noch begrenzter als die Reichweite der Handynetze in Tunnels.

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