Zeitung Heute : WAS GOOGLE ALLES WEISS

Alexander Glodzinski

Google weiß, was uns interessiert, wer unsere Freunde sind und mit wem wir in geschäftlichen Beziehungen stehen. Der Suchmaschinenanbieter speichert Daten von Nutzern – und muss sich dabei an keine Beschränkung halten. Der grundrechtliche Anspruch auf informationelle Selbstbestimmung gilt nur gegenüber dem Staat. Dabei hat gerade Google in jüngster Zeit kleinere Anbieter aufgekauft und neue Anwendungen geschaffen, mit denen das Unternehmen komplette Nutzerprofile erstellen kann. Ob Aktienkurse, bestellte Bücher, gebuchte Reisen, Selbsthilfegruppen oder Erotikangebote, die Anfragen werden von Google 18 Monate gespeichert. Vorstandschef Eric Schmidt will, dass Google im Leben der Nutzer eine so zentrale Rolle spielt, „dass ein Leben ohne Google nicht mehr möglich wäre.“ Inhalte von Mails lässt Google bei Gmail automatisiert durchsuchen, um Werbeeinblendungen zu realisieren. Eine Mail an einen Freund über Potenzprobleme, und bald wird womöglich mit Viagra für Abhilfe geworben. Über das Internet abrufbare Genanalysen bietet Google für 1000 Dollar an. Millionen von Fotos werden beim Google-Ableger Picasa gespeichert und mit Namen verlinkt. Mithilfe biometrischer Erkennung könnten sie via Google Earth auch bald lokal verortet werden, fürchtet Sven Lüders von der Humanistischen Union. Zusammen mit dem angekündigten Google-Betriebssystem für Handys könnte dies dann zu einer Verknüpfung zahlreicher Internetdienste führen. Das Handy würde zu einem tragbaren Peilsender, sagt Lüders. Auch der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar ist beunruhigt. Er fordert „starke Auflagen“, die im EU-Wettbewerbsrecht verankert werden sollten. Alexander Glodzinski

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