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Das Erkennen von Augen- und Fingermustern soll es Computer-Hackern schwerer machen

Adrian Schuster

Sicherheit im Internet ist eines der ganz großen Themen auf der Cebit. Für vernetzte Computer in Firmen und Privathaushalten wird es zwar niemals absolute Sicherheit geben. Doch bieten neue Verschlüsselungstechniken und biometrische Zugangskontrollen einen verbesserten Schutz vor den Gefahren aus dem Cyberspace.

Rund 60 Prozent aller deutschen Unternehmen sind bereits Opfer von Hackern oder Computer-Saboteuren geworden. Den jährlichen Gesamtschaden durch Attacken auf Computersysteme schätzt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) allein in Deutschland auf einen dreistelligen Millionenbetrag – wobei die Dunkelziffer noch deutlich höher liegen dürfte. Denn viele Firmen verschweigen solche Vorfälle aus Angst um ihren guten Ruf.

Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 werden verstärkt die Folgen des so genannten Cyberterrorismus diskutiert. Konventionelle oder Hacker-Angriffe könnten sich gezielt gegen die Nervensstränge der Informationsgesellschaft richten, zum Beispiel gegen große Internet-Betreiber. Bruce Schneider, Kryptographie-Koryphäe und Gründer der Counterpane Internet Security, prognostiziert zudem eine Zunahme von Industriespionage, Betrug und Sabotage im Netz. Er gehört zu der hochkarätig besetzten Expertenrunde aus Computerindustrie, Forschung und Militär, die am 14. März im Convention Center auf dem Messegelände die aktuelle Bedrohungslage sowie mögliche Gegenmaßnahmen diskutieren wird.

Bereits in wenigen Jahren sollen die meisten Internet-Zugriffe über mobile Kombinationsgeräte aus Taschencomputer, Organizer und Handys erfolgen. Davon geht das Fraunhofer Institut für Sichere Telekooperation aus. Spätestens dann ergeben sich ebenso hohe Sicherheitsansprüche, wie sie für stationäre Internetanwendungen gelten: Anbieter mobiler Dienste benötigen eine zuverlässige Authentisierung ihrer Kunden, etwa für korrekte und verbindliche Rechnungserstellungen. Auch die mobile Kommunikation muss daher mit digitalen Signaturen verschlüsselt werden können. Speziell für Ärzte, Anwälte und Außendienstmitarbeiter ist die Signaturplattform Trusted Pocket Signer konzipiert. Sie soll es mobilen Taschencomputern und stationären PCs ermöglichen, verschlüsselt kommunizieren zu können. Entsprechende Lösungsszenarien präsentiert das Fraunhofer Institut auf der Themeninsel Mobile Kommunikation in Halle 11.

Neue Wege zur sicheren Übertragung vertraulicher E-Mails geht die HiSolutions AG, Berlin: Ihre Lösung „HiMessenger Mail Protection“ kann nahtlos in bestehende E-Mail­ Systeme eingefügt werden. Innerhalb des internen Firmennetzes wird das vorhandene E-Mail-Programm weiterverwendet. Externe Partner nutzen eine Web-Anwendung, die per SSL (Secure Socket Layer) Nachrichten versenden und empfangen kann.

Das Besondere an der Lösung ist die Automatisierung von Einrichtung und Administration: Beim erstmaligen E-Mail-Versand an einen externen Partner erzeugt das System automatisch ein Postfach sowie ein Schlüsselpaar, mit welchem E-Mails lokal digital signiert werden können. Ebenfalls automatisch generiert das System die zugehörigen Passwörter, so dass sichere Übertragungswege ohne manuellen Eingriff innerhalb von Sekunden etabliert werden können.

Ihren Daumen, bitte

Doch was nützt die sicherste Verschlüsselung, wenn Unbefugte sich am PC zu schaffen machen? PIN­Nummern und Passwörter bieten keinen echten Schutz. Hier sind biometrische Verfahren auf dem Vormarsch, die sich unverwechselbare körperliche Eigenschaften wie Augenabstand oder Fingermuster zur Identifikation von Personen zunutze machen.

Eine biometrische Zugriffssperre für Computer präsentiert die Hamburger Dermalog Identification Systems GmbH. Für den Start des PC ist der Daumenabdruck eines Besitzers vonnöten, ansonsten streikt das Gerät. Das daumenbreite System lässt sich in das Mouse Pad integrieren oder als Stand­ alone­Variante über eine Schnittstelle an den PC anschließen. Die Identifikationsprüfung anhand von Fingerabdrücken eignet sich für PCs, Notebooks, Archive, Datenbanken, Netzwerke und als Zutrittskontrolle zu sicherheitsrelevanten Bereichen. Dabei prüft ein sensitiver Chip automatisch die vitalen Körperfunktionen und verhindert so, dass das System mit kopierten Fingerabdrücken überlistet werden kann.

So finden Sie die Aussteller auf der Cebit: Fraunhofer Institut für Sichere Telekooperation: Halle 11 Stand A24, D05, A40; Dermalog: Halle 17, Stand C31/10; Hisolutions AG: Halle 17, C31 .

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