Zeitung Heute : Was hat die Woche gebracht…

Der Tagesspiegel

. . . für Diener

Gerechtigkeitsexperte Guido Westerwelle hat uns daran erinnert: „Es ist ungerecht, dass die einen dienen und die anderen verdienen.“ In der nächsten Woche entscheidet das Bundesverfassungsgericht, ob die Pflicht zu dienen 2002 Jahre nach Christi Geburt noch was taugt. (Wie war das vor etwa 1970 Jahren? Gehörten die römischen Legionäre, die Gottes Sohn ans Kreuz genagelt haben, nicht einer Berufsarmee an? Egal, Polemik führt uns hier nicht weiter.) Die Woche vor dem Urteil jedenfalls haben die Politiker dazu genutzt, ihre Meinung zum Dienst am Vaterland kundzutun. Die einen meinen: Wenn junge Männer mal was wegdienen müssen, ist das prima für die Demokratie, die anderen sagen: Aus Dienern sollen Verdiener werden, mit Demokratie hat das Kriegüben und -führen nichts zu tun. Da könnten sie eigentlich Recht haben.

. . . für Verdiener

Der deutsche Fußball ist, wie man hört, lange nicht mehr das, was er mal war. War eben alles mal besser. Außer der Verdienst. Der ist im deutschen Fußball so toll wie noch nie. Dumm nur, dass der Kirch, der mit den Fußballfernsehrechten, jetzt pleite ist. Von dem kam zuletzt das ganz dicke Geld für die Fußballverdiener (auch für die ganz dicken). Wenn der Kirch nicht mehr zahlt, wer zahlt dann für die Fußballverdiener? Die Regierung resp. der Steuerzahler? Das wäre mies all denen gegenüber, die a) sowieso nichts vom Fußball halten oder b) finden, dass der deutsche Fußball schon lange nicht mehr ist, was er mal war.

. . . für Optimisten

Mensch, der Frühling ist da, ach was, guckt doch mal, die Leute mit den Sonnenbrillen vor den Cafés: Ab jetzt ist Sommer, und es wird bis kurz vor Weihnachten so bleiben. Die Optimisten haben spätestens am Donnerstag ihre Buchungen für Südspanien, die Balearen und die Kanaren zurückgezogen, im Norden ist’s ja warm genug! Vor lauter Glück haben sie noch nicht mal hinunter geguckt, was da im Süden so passiert: Stürme, Unwetter, Schnee und Regen. Hätten sie’s getan, ließen sie sich auch nach der endwöchentlichen Rückkehr der Nordkälte nicht mehr von ihrem Entschluss, hier zu bleiben, abbringen.

. . . für Pessimisten

Kirch ist pleite, Holzmann ebenso und bei Herlitz sieht es auch nicht so gut aus. Die Pessimisten sagen leise siehste! und wundern sich sehr über die Konjunkturforscher. Die sagen: Das ist das Ende der Flaute, da muss das so sein. Die letzten maroden Betriebe gehen den Bach runter, und dann ist alles wieder gut. Auch Pessimisten sind ja für die Konjunktur, und drum sagen sie wirklich nur ganz, ganz leise siehste.

. . . für Praktiker

Alle haben laut Juchhu gerufen, als man damals das menschliche Genom entziffert hat. Die Praktiker haben die Schultern gezuckt: Was heißt das schon? So richtig herumdoktern dürfen wir am Menschen ohnehin nicht. Jetzt haben sie die DNA-Paare von zwei tollen Reissorten entschlüsselt. Das ist doch was, damit kann man mal was anfangen. Wunderreis für alle! Basmati-Anbau in der Sahelzone! Da kann doch keiner was dagegen haben, oder?

...für Theoretiker

In Kenia lebt eine Löwin, die sich so gar nicht nach dem Brehm richtet. Die Theoretiker sind fassungslos: Dieser Löwin ist die eigene Art völlig schnuppe, sie findet junge Antilopen schnuckliger. Sie hat gerade wieder eine adoptiert, ihre dritte. Als das zum ersten Mal geschah, atmeten die Theoretiker nach kurzer Zeit auf. Da fraß ein anderer Löwe, brav der Theorie folgend, das Antilopenjunge auf. Die Löwin mag kurzsichtig gewesen sein, beruhigten sich die Theoretiker. Doch dann passierte es zum zweiten Mal. Da nahmen die Menschen, die einfach alles besser wissen, der Raubkatze ihr friedliches Antilöplein weg und meinten: Nu’ is’ aber gut. Denkste. Jetzt sind sie klug geworden, lassen der Löwin, was die Löwin für richtig hält, nennen sie „Kanuniak“, die Gesegnete, und pfeifen auf den Brehm. David Ensikat

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