Zeitung Heute : Was hat heute noch Wert?

Bei uns geht es immer sanft bergauf, sagt Axel Neisch. Seit 35 Jahren hat er einen krisensicheren Beruf. Architekten bringen ihm ihr Tafelsilber, ein Armani-Anzug gilt hier als Plunder – zu Besuch im Leihhaus

Kerstin Decker

Das ist nicht fair. Marmorboden, Marmorwände. Schlittenfahrende, weintrinkende, kornbindende Putten. Das ganze Paradies im Hausflur. Und über dem schmiedeeisernen Jahrhundertwende-Fahrstuhl wacht das Auge Gottes. In Blattgold. Ja, wie soll einer denn mit seinem alten Bügeleisen in der Tasche am Auge Gottes vorbeikommen? Wer solche Charlottenburger Hauseingänge betritt, will entweder zu Rechtsanwälten oder Steuerberatern. Aber doch nicht zur Pfandleihe! Was macht eine Pfandleihe in Charlottenburg? Pfandleiher, hört man, ist einer der letzten krisensicheren Berufe. Über zehn Prozent Umsatzplus im letzten Jahr. Und im vorletzten auch. Und im vorvorletzten … Eigentlich ist das erstaunlich. Denn nichts verfällt schneller als der Wert unserer Gegenständlichkeit. Früher besaßen die Menschen Dinge. In der Jetzt-Zeit, sagte ein Philosoph, der von der Jetzt-Zeit nicht so sehr viel hielt, haben sie Zeug. Wer beleiht Zeug?

Nebenan in die Volksbank zu gehen, wäre viel einfacher. Die hat Allerweltstüren wie jede ordentliche demokratische Institution, Plaste statt Marmor, und nirgends ein Auge Gottes. Das Charlottenburger Leihhaus ist wirklich gut getarnt. Denn wie es von innen aussieht, weiß man. Ein Leihhaus ist ein kultureller Archetypus, und Charles Dickens hat es für die Ewigkeit eingerichtet: In einem halbdunklen Raum hockt ein finsterer Wucherer mit krummem Rücken und Ärmelschonern, der mit Spinnenfingern nach dem greift, was einem als Letztes auf Erden geblieben ist. Hab-Seligkeiten. Überhaupt gehören Leihhäuser ins 19. Jahrhundert.

Es ist ganz still im Leihhaus in der Mommsenstraße. Wo sollen die Laute herkommen in einer Institution aus einem anderen Jahrhundert? Aber der weiße Flur mit Parkettfußboden könnte jeder ästhetisch gesonnenen Arztpraxis gehören. Und der Raum dahinter einer Hochsicherheitspost. Zwei vollverglaste Schalter. Dickens ist das nicht. Der Direktor kommt sehr gegenwärtig aus seinem Hochsicherheitsbüro. Er hat den ruhigen Schritt von Menschen, unter denen der Boden noch nie nachgegeben hat. Nein, Axel Neisch ist nicht von vorgestern. In dem dunklen Anzug mit Krawatte und graumeliertem Haar könnte er auch der Direktor des Kredithauses nebenan sein. Nur dass die Banken doch ein wenig in der Krise sind. Sie sind gewissermaßen die kleinen Schwestern der Pfandhäuser im Kreditgewerbe. Sind dann doch ein wenig größenwahnsinnig geworden. Am Anfang war die Pfandleihe. Und in Neischs Gesicht steht: Am Ende ist sie auch.

Geld ist nicht virtuell

Reden wir im Flur!, schlägt der Mann der Wirtschafts-Avantgarde vor. Kein hausfremdes Element hat Neischs Büro je betreten. Und in seinem Zahnarzt-Flur kann er genau sehen, wer kommt. Die Tür fliegt auf. Ein Managertyp im dezent-grauen Anzug, den Aktenkoffer unterm Arm, betritt Axel Neischs Leihhaus. Solche wie ihn vermutet man überall – nur nicht im Leihaus. Neisch begrüßt den Nadelstreifen-Mann mit einer gewissen Ehrerbietung, der Graue grüßt zurück. Ein Bügeleisen hat er bestimmt nicht. Dafür ist sein Aktenkoffer zu schmal. Also Gold. Früher konnte man noch Unterwäsche, Büstenhalter, getragene Schuhe und alte Regenschirme zum Pfandleiher bringen. Schließlich hatte nicht jeder Schuhe oder einen Büstenhalter. Und die Bürger versetzten ihre Fracks und Pelzmäntel. Heute gilt: keine Kleidung! Aber selbst wenn diese Dinge noch Wert besäßen – wer könnte die Lagerhaltung finanzieren? Sogar ein Armani-Anzug fällt hier unter wertlosen Plunder. Nur Minuten später übergibt der Nadelstreifen-Mann die Klinke wie einen Staffelstab an einen mit Fahrrad. Neisch springt auf und ruft mit der Dienstfertigkeit eines Kellners: „Ich mach die Tür zu!“ Nebenan in der Bank gibt es diesen Service nicht. Die Orte, an denen man wie die letzte Nummer behandelt wird, mehren sich unaufhörlich. Vor allem, wenn man gerade die letzte Nummer ist und die Banken einen nur noch von hinten anschauen. So wie den Charlottenburger Architekten, der sein Familiensilber bei Neisch versetzte. „Keine Aufträge. Sie wissen ja, wie schwer es Architekten heute haben!“ Überhaupt sind Selbstständige der neue Segen der Pfandleihen. Du bist kreditwürdig! Eine größere Wertschätzung hat die Gegenwart nicht zu vergeben.

Nur der Pfandleihen-Laie glaubt noch immer, Menschen betreten einen solchen Ort mit gesenktem Kopf. Eine Dame im Pepitakostüm kommt gut gelaunt und plaudernd herein, als ob sie gerade einen vormittäglichen Einkaufsbummel absolviere und Neisch sei eine Station auf ihrem Weg. Diese Frau, ganz klar, ist ein Mittelpunktsmensch. Und keiner kann plötzlich zur Randfigur werden, nur weil er kein Geld mehr hat. Pfandleihen, beginnen wir zu ahnen, sind die letzten Refugien der Bürgerlichkeit.

Neben den beiden Schaltern hat Neisch eine Warenschleuse. Keine Durchreiche, eine richtige Schleuse. So dass nie eine Kundenhand ins Innere greifen könnte. Alles, was nicht Schleusen-Format hat – also Kofferfernsehergröße – nimmt Neisch nicht. Wahrscheinlich nicht mal Kofferfernseher.

Seit Januar schickt er auch Besitzer von DVD-Rekordern wieder nach Hause. Der Preis verfällt zu rapide. Es ist schon so, wie Heidegger ahnte: Nichts, was im modernen Leben einen Wert hat, hat noch einen Wert. Pfandtechnisch gesehen. Gold ist immer noch am besten. Aber wer hat bei uns schon noch dicke Goldketten? Nur Busfahrer und Skilehrer. Und sind Riesendiamanten nicht ein wenig peinlich? Ausländer sind da im Vorteil. In Asien und anderswo ist die Familienschmuck-Tradition noch intakt. Ohne die Ausländer mit Familienschmuck sähe es nicht gut aus für das deutsche Pfandleihergewerbe. Neischs Risiko besteht nun darin, das echte Gold vom Falschgold zu unterscheiden.

Es ist schon ein merkwürdiger Beruf. Der Pfandleiher ist ein integrierter Juwelen- und Hightech-Sachverständiger mit angeschlossener Privatbank. Neisch lächelt: Die Juweliere kommen zu mir, wenn sie wissen wollen, ob ein Stein echt ist. – Natürlich besitzt er Prüfsäuren und Messgeräte, aber vieles ist doch Augenmaß. Menschen wie Axel Neisch kennen, egal wo sie sind, im Grunde nur einen einzigen Aufenthaltsort: den in der eigenen Mitte. Er hat seine Berufswahl nie bereut. Aber wie wird man Pfandleiher?

50 Jahre gibt es das Leihhaus in der Mommsenstraße schon. Anfangs gehörte es einer alten Dame. Axel Neisch verkaufte in Berlin gerade schwedische Registrierkassen und fragte sich immer öfter, ob der Mensch nicht irgendwann etwas Selbstbestimmtes tun sollte. Etwas Eigenes, etwas ganz Außerordentliches. Das war vor 35 Jahren. Damals wollte kein Mensch Pfandleiher werden, auch weil die kleine Schwester der Pfandleihe, die Bank, gerade den Dispokredit erfunden hatte. Plötzlich musste keiner mehr sein Bügeleisen versetzen, wenn er kurz vor Monatsende noch Bargeld brauchte. Neischs Entschluss war in der Tat außerordentlich, Nachfolger der alten Leihhaus-Dame zu werden. Bei ihm ging es immer sanft bergauf. Den Leihhaus-Eros kann er nicht genau benennen. Aber es gibt ihn, da ist er sicher.

Vielleicht ist es der Reiz, mit Geld umzugehen. Mit Bargeld natürlich. Das ist alte Leihhaus-Tradition. Die Institution kommt eben noch aus der Zeit der Lohntüte. Aber was ist eigentlich dagegen zu sagen? Internet-Großverdiener mit ihren virtuellen Geldbergen kennt er selber. Und heute? Könnten sie seine Kunden sein. Neisch hat es schon immer gewusst: Geld ist nicht virtuell. Man sollte es anfassen können. Genealogisch gesehen, gehört Neisch zur Sparstrumpffraktion. Er hat Geld nur in bar. Und man bekommt es noch in derselben Minute. Mitunter können das 20000 Euro sein. – Selten, aber es kommt vor, bestätigt Neisch, und wir begreifen endgültig, dass man ziemlich wohlhabend sein muss, um ein Pfandhaus aufzusuchen. Oder wer sonst besitzt 20000- Euro-Colliers? – Falsch, sagt Neisch, wenn jemand 20000 Euro bekommt, ist sein Pfand natürlich viel mehr wert. Das Doppelte. Oder das Dreifache. Neisch sieht sehr zufrieden aus. Hatte Dickens doch Recht? Seine Wucherer machten das genauso. Und dann warteten sie, bis die Pfandfrist ausgelaufen war, und machten das Pfand zu Geld. – Moment, Moment, ruft Neisch, an nicht abgeholtem Pfand verdiene ich gar nichts. Denn selbst wenn etwas mit Gewinn versteigert wird, geht das Plus an den ursprünglichen Besitzer. Deutsches Pfandleihgesetz von 1961. Anti-Wucher-Gesetz. Seitdem leben Pfandleiher nur von den Zinsen ihrer Kredite plus einmaliger Gebühr und hoffen nichts so sehr, als dass der Kunde sein Pfand wieder abholt. Für ein 100-Euro-Pfand werden 3,50 Euro im Monat fällig, bei 300 Euro 9,50 Euro. Vier Monate muss Neisch die Pfänder aufheben. Der Charlottenburger Architekt hat es gerade noch geschafft, sein ganzes Tafelsilber abzuholen. Großauftrag in Mitte!

Natürlich schafft es nicht jeder. In einer Vitrine hat Neisch nunmehr herrenlosen Schmuck zum Verkauf ausgestellt. Es sind Stücke von bemerkenswerter Hässlichkeit darunter. Den kleinen struppigen Hund aus Massivgold – die Sorte, die nie etwas sieht, weil ihr immer Fellfransen vor den Augen hängen – hat hier bestimmt jemand listig endgelagert. Wegschmeißen geht nicht, Verschenken kann die letzten Freunde kosten. Also Pfandleihe als Entsorgung.

Neischs „Leihhaus City“ ist eine Mittelstandsserviceeinichtung. Man schätzt es ob seiner gutbürgerlichen Atmosphäre, weshalb nicht nur die Dame im Pepitakostüm öfter kommt. Nachdem die schon das Kranzler halb zugemacht haben, wo soll einer heute noch hin? Neisch hat viele Stammkunden.

Demnach müsste das älteste Leihhaus der Stadt ziemlich leer sein. Denn es liegt in Kreuzberg, dem Stadtteil mit der niedrigsten Konzentration der Besserverdienenden. 1875 wurde es gegründet. Das Leihhaus am Görlitzer Bahnhof ist ungefähr so besucht wie ein Aldi am Freitagnachmittag. Ein junger Türke kippt dem Leihhausdirektor kästchenweise Goldschmuck auf ein kleines Samttablett, flucht und fragt zwischendurch: „Wie viel? Wie viel?“ Der Leihhaus-Chef kann das Ende des Fluchs nicht vom Anfang der Frage unterscheiden und sagt lieber gar nichts. Irgendwie erwartet man das auch gar nicht von ihm, denn er trägt ein Gesicht von so vollendeter Ausdruckslosigkeit, dass neben ihm jede Registrierkasse beseelt wirkt.

Vielleicht muss so aussehen, wer in Kreuzberg ein Leihhaus führt. Klaus Grohmann würde seinen Kunden bestimmt nicht die Tür aufhalten. Aber sonst ist er Neisch doch ähnlich, auch in dem Alter, wo alle Männer plötzlich beginnen, vertrauenerweckend auszusehen. Und seine Krawatte und die Goldrandbrille scheinen ihn unverwundbar zu machen. Er beginnt, das Gold des jungen Türken zu wiegen. Am Nebenschalter will ein großer Schwarzer mit Mütze ein nie abgeholtes Minidisc-Gerät kaufen. Die hinter ihm stehen, meist junge Männer, treten sofort in einen Beratungswettbewerb ein. Der große Schwarze wiegt den Kopf und genießt seine Stellung. Die anderen müssen verkaufen. Er wird kaufen. Der Kundenraum einigt sich auf den kleinen Sony. 65 soll er kosten. 60!, sagt der Mützenmann. 65!, sagt die blonde Leihhausdame hinter Glas, und sie handele nicht. Der Mützenmann schaut sie an mit einem Blick, in dem die jahrhundertelange Unterdrückung seines Kontinents steht. So sind sie, die Ausbeuter und Unterdrücker. Am Ende wollen sie nicht mal handeln. Der junge Türke vor dem anderen Schalter tänzelt auf und ab, ein Freund beruhigt ihn: „Ist gar nichts, was wir kriegen werden, aber was willst du machen?“ Dann treffen beide einen Dritten, der gerade seinen CD-Player versetzen will, weil seine Schwester ein Kind bekommen hat. Er braucht ein Geschenk. Grohmann wiegt noch immer Gold. Der Schwarze kauft den Sony für 65 Euro, mit der Drohung, ihn gleich wiederzubringen, wenn sein Mikro nicht hineinpasst. Der junge Türke und sein Freund werden in den Nebenraum gerufen. Der ist auch holzgetäfelt, hier probierten die Damen früher Pelzmäntel an. Jetzt zahlt Grohmann dort die größeren Beträge aus. An der Wand hängt ein Schild: „Kredit nur an Achtzigjährige in Begleitung ihrer Eltern.“ Die beiden Unter-Achtzigjährigen werfen dem Schild einen finsteren Blick zu und stecken 1500 Euro in die Tasche. – „Passen Sie bloß gut auf die Scheine auf!“, ruft Grohmann ihnen hinterher, und plötzlich ist da beinahe etwas Weiches in Grohmanns Zügen.

Der Pfandleiher und seine Masken. Eigentlich war er Postbeamter. Und das wäre er wahrscheinlich noch heute, hätte sein Schwiegervater, Pfandleiher in vierter Generation, nicht einen Lebenswunsch gehabt: Die 100 Jahre müsste man vollkriegen. 1875–1975. 100 Jahre Pfandleihe Lehmann. Lehmann hieß der Schwiegervater. So heißt die Pfandleihe noch heute. Und der Postbeamte Grohmann nahm Sonderurlaub. Jederzeit, sagt Grohmann, hätte die Post einen gescheiterten Pfandleiher zurücknehmen müssen. Beamter ist Beamter. Grohmann lächelt. Wenn Grohmann lächelt, sieht er fast aus wie Anthony Hopkins. Als schütze seine Reglosigkeit nur eine unerhörte Wärme dahinter. Ab und zu schaut Grohmann aus der Ex-Pelzumkleide um die Ecke in den Kundenraum, seine Stammgäste kennt er schon an der Stimme.

Der Rentner mit den 15 Uhren, von denen er regelmäßig drei vorbeibringt, ist auch wieder da. Man ist kreditwürdig! Für dieses großartige Gefühl nimmt der Uhren-Mann jeden Weg in Kauf. Der Student hinter ihm kennt solchen Triumph noch nicht. Er ist zum ersten Mal hier. In seinen Augen steht die Angst. Was er denn habe, fragt Grohmann. Computer, antwortet der Student. – Nehm’ ich nicht, sagt Grohmann mit dem ausdruckslosesten aller Grohmann-Gesichter. Gut, dass man den Studenten jetzt nicht von vorn sehen muss. Grohmann beleiht zwar im Unterschied zu Neisch noch DVD-Rekorder, aber Computer und Handys – jene beiden Dinge, die aus einem Menschen erst einen Zeitgenossen machen – sind ihm nichts als Plunder. So schnell, wie die veralten, kann er gar nicht denken. Nur für Notebooks macht er eine Ausnahme. Haben Sie ein Notebook?, fragt Grohmann. Der Student nickt. Sprechen kann er nicht mehr. Er packt es aus. Grohmann fixiert das Gerät und zeigt noch immer keine Regung. Die Akkus gehen nicht mehr, erklärt der Student, und man hört, welche Überwindung ihn diese Auskunft kostet. Sie müssen es anschließen! „Wie viel wollen Sie?“, fragt Grohmann und beobachtet gelangweilt den Computer, der sich weigert hochzufahren. – „Ich habe ihn nicht richtig runtergefahren“, erklärt der Student, „weil Sie doch schon um 17 Uhr zumachen, und ich komme von Prenzlauer Berg.“ Grohmann schaut ihn gar nicht an. „Wie viel?“, fragt er noch einmal. – „Wie viel geben Sie?“, fragt der Student mit versagender Stimme zurück. – „Fünf Euro“, antwortet Grohmann kalt. Er hat einen Mund wie einen Schlussstrich, aber plötzlich formt sich diese kälteste aller Linien zur Andeutung eines Lächelns. Das muss sie sein, die Seele des Pfandleihers. Und auch der Student spürt, dass er gerettet ist. Es ist kurz vor 17 Uhr.

Wochenende ohne Heimelektronik

Grohmann rettet noch andere an diesem Freitagnachmittag. Auch den dürren Langhaarigen, dessen 80er-Jahre-Parka aussieht, als ob er die erste Wäsche noch vor sich hat. Der Langhaarige besitzt knapp 28 Euro und möchte einen DVD-Player. So billige DVD-Player hat nicht mal Grohmann. Aber er findet natürlich doch einen. Der Langhaarige mäkelt am Testbild, an der Marke sowie am Verkäufer. Schließlich ist er hier der Investor. Er nimmt das Objekt dann doch. Die anderen im Raum wünschen ihm Glück, sie sind sehr schonungsvoll zueinander. Das Leben ist zerbrechlich genug. Wer ein Wochenende ohne Heimelektronik überstehen muss, weiß das.

Es ist kurz nach fünf. Der letzte Kunde bekommt den Schlüssel und muss aufpassen, dass keiner mehr reinkommt. Aber den atemlosen Türken mit Silberkette lässt er doch ein. Die Silberkette hängt noch um seinen Hals. Der Schließdienst selbst hat nur einen Radiokassettenrekorder. In Grohmanns Blick steht der Wert des Geräts: null. Aber sein Besitzer schält es so sorgfältig aus den Tüten, und jeder sieht, dass er erst eine unsichtbare Nabelschnur zwischen sich und ihm durchschneiden muss, bevor er es auf den Schaltertisch stellt. Wie viel?, fragt Grohmann, und jetzt heißt das nur: Wie viel brauchen Sie? Der Schließdienst bekommt den Betrag.

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