WAS ICH LIEBE, WAS ICH HASSE : Einladung zum Theatertreffen

Die Spielzeit-Kolumne von Rüdiger Schaper, Leiter der Kulturredaktion des Tagesspiegels.

Jedes Jahr das gleiche Drama. Hast du eine Karte übrig? Du kannst doch bestimmt was machen? Kommst du da irgendwie noch ran?

Nein, leider nicht. Da ist gar nichts zu machen. Karten zu den Vorstellungen des Theatertreffens sind eine Kostbarkeit. Die Nachfrage übersteigt jedes Mal das Angebot um ein Vielfaches. Weil es in der Regel immer nur zwei oder drei Aufführungen der ausgewählten Inszenierungen gibt. Und auch, weil die Tendenz in den vergangenen Jahren zu kleineren Spielstätten ging.

Zum 50. Geburtstag des Theatertreffens spielen sie fast ausschließlich im großen Festspielhaus, das ist schön. Aber ganz egal, wie man die Auswahl 2013 beurteilt: Das Theatertreffen ist eine Marke für sich. Ein Theatertreffen-Ticket ist mehr als ein gewöhnliches Theaterticket. Es ist der Eintritt zu einem Festival mit seiner besonderen Atmosphäre, und hier trifft man ja wirklich Menschen. So wie eine jede Aufführung des Theatertreffens, egal aus welcher Stadt, über sich selbst hinausweist, da sie zu den zehn „bemerkenswerten“ Produktionen eines Jahrgangs gehört.

Das jedenfalls war die Idee der Erfinder. Vor gut einem halben Jahrhundert hielten sie die Zeit für gekommen, einer neuen Theatersprache und Bühnenkunst ein Forum zu schaffen, in West-Berlin, das selbst ein künstlich-theatralisches politisches Gebilde war. Es war von Anfang an eine Jury der Kritiker, die hier auch ihr eigenes Urteil zur Debatte stellten.

Seitdem ist viel Zeit vergangen. Moden haben gewechselt, neue Namen wurden etabliert, das Theater überhaupt sieht anders aus als vor zwanzig, dreißig, vierzig, fünfzig Jahren. Peymann und Castorf leiten immer noch ihre Häuser, zum Theatertreffen werden sie nicht mehr eingeladen. Denn wer immer auch in der Jury saß – stets ging es um das ästhetisch Neue. Und gesellschaftliches Engagement.

Und um die Karten. Am ersten Vorverkaufstag neulich spielte das Online-Buchungssystem ziemlich verrückt. Man hing in der Schleife, um dann vor die Tür gesetzt zu werden; und das Ganze von vorn. So viel ist immer gegen das Theatertreffen gesagt worden. Das Publikum aber hat stets dafür gestimmt – mit Ausdauer und Leidenschaft.

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