WAS ICH LIEBE, WAS ICH HASSE : Forever Young

Die Spielzeit-Kolumne von Rüdiger Schaper, Leiter der Kulturredaktion des Tagesspiegels.

Nein, nein, die Spielzeit ist noch lange nicht zu Ende, es kommt noch was: Anfang Juni die Autorentheatertage am Deutschen Theater und Ende des Monats die erste Sommerausgabe der „Foreign Affairs“ bei den Berliner Festspielen. Ich freue mich, die neue Komödie von Moritz Rinke „Wir lieben und wissen nichts“ endlich einmal in Berlin zu sehen, in einem Gastspiel fern aus Bern. Ich freue mich auch auf William Forsythe und seine choreografischen Kreationen. Rinke und Forsythe haben nicht wirklich viel gemeinsam, aber sicher ist: Beide kommen in Berlin sehr selten oder gar nicht vor.

Dafür gibt es viele Gründe. Bleiben wir beim Tanz. Die großen Compagnien – das galt und gilt auch für Pina Bausch – sind an dieser Stadt vorbeigezogen. Das offizielle Berlin ist nicht tanzfreundlich, es verhält sich ignorant. Zuletzt ist das beim Umgang mit Sasha Waltz und der Neubesetzung des Staatsballetts deutlich geworden. Bloß keine Experimente! Und bloß keine Künstler pflegen, die könnten ja groß herauskommen! Was interessiert uns St. Petersburg oder Paris, wo Waltz gefeiert wird! Da ist es schon gut, wenn sich die Festspiele um den zeitgenössischen Tanz kümmern. Wobei man fragen muss, wie sich dieses Engagement mit dem „Tanz im August“ verträgt. Dieses Festival wird 25 Jahre alt und hat nun in der eigenen Stadt Konkurrenz bekommen.

Das ist eine Berliner Spezialität: sich gegenseitig das Wasser an- und abgraben! Es bleibt nicht aus, wenn unterschiedliche Institutionen aus den gleichen Teichen fischen. Dem Publikum kann es so lange egal sein, wie die Häuser und Festivals ihr Profil, ihre Identität behalten. Gefährlich wird es, wenn sie sich zu ähnlich sind. Dann machen sich sich überflüssig. Die Autorentheatertage haben auch eine schräge Seite. Warum spielt das DT die neuen deutschsprachigen Stücke nicht gleich selbst, die immerhin eine Einladung nach Berlin wert sind? Seltsam, oder?

Am meisten aber freue ich mich auf Neil Young und Crazy Horse in der Waldbühne. Keine „affair“ und schon gar nicht „foreign“, sondern eine lebenslange Beziehung, wie man sie mit Theaterkünstlern nie wird haben können. Dafür ist Theater viel zu schnelllebig – und es altert schlecht.

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