Zeitung Heute : Was ist Narzissmus?

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Der Begiff Narziss taucht das erste Mal im ersten Jahrhundert vor Christus in den „Metamorphosen“ von Ovid auf. In der altgriechischen Sage verliebt sich der Jüngling Narziss in sein Spiegelbild. An einem See hält er das Bildnis im Wasser für einen Körper. Die Liebesgöttin Nemesis bestraft ihn mit dieser zwanghaften Selbstliebe, weil er die Liebe der Nymphe Echo zurückgewiesen hat. Von der eigenen Liebe verzerrt verwandelt er sich am Ende der Sage in eine Blume.

Der Narziss zieht sich wie ein roter Faden durch die Literatur und Kunstgeschichte, ändert je nach Epoche seine Bedeutung. In der Lyrik der Renaissance steht der Begriff für die hoffnungslose Liebe. In der Romantik verkörpert der Narziss den Künstler selbs, und 1890 in Oscar Wildes „Bildnis des Dorian Gray“ steht er für liebeskalten Egoismus.

Anfangs des 20. Jahrhunderts benannte dann Sigmund Freud den Narzissmus nach dem Jüngling von Ovid. Die Psychoanalyse definiert den Narzissmus als „Abwendung der Libido von äußeren Objekten, eine Regression auf die frühkindliche Lustgewinnung am eigenen Körper“. Laut Freud empfindet der Narziss also auf die eigene Person bezogene erotische Regungen: Selbstliebe.jek

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