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Ob Biergarten oder Chemielabor: Tausende wollen in den Ferien Geld verdienen. Doch Stellen sind rar

Corinna Visser

Freundlich sein, nicht so schnell den Überblick verlieren, gut Kopf rechnen können und auch in stressigen Situationen die gute Laune nicht verlieren – Laura weiß, worauf es bei ihrem Job hinter dem Tresen ankommt. Erste Erfahrungen in der Gastronomie hat die 21-Jährige Studentin der Visuellen Kommunikation schon in ihrer Heimatstadt Bremen gemacht. Trotzdem: 20 Absagen hat sie kassiert, bevor sie nun für den Sommer den Job im Schleusenkrug im Berliner Tiergarten bekommen hat. „Ich habe erst im Februar mit der Suche angefangen“, sagt Laura. „Das war fast schon zu spät.“

Für Studenten und Schüler, die in den Ferien einen lukrativen Job suchen, um ihre Ausbildung zu finanzieren oder sich ein paar Extras nebenbei leisten zu können, wird es immer schwieriger eine entsprechende Stelle zu finden. Zum einen suchen immer weniger Firmen nach Aushilfskräften, weil sie wegen der angespannten wirtschaftlichen Situation froh sind, wenn sie genug Arbeit für ihre Stammkräfte haben. Zum anderen konkurrieren Zeitarbeitsfirmen und auch immer mehr Arbeitslose, Mini- und Ein-Euro-Jobber mit den Studierenden um die immer geringere Zahl an Arbeitsplätzen.

„Studenten, die arbeiten wollen, gibt es genug. Aber wir verdienen kein Geld an Studenten, die keinen Job haben“, sagt eine Mitarbeiterin von Tusma. Seit 1949 vermittelte Tusma „Telefoniere und Studenten machen alles“ Jobs an Studenten. Ende April mussten die Vermittler aufgeben. Unternehmen hatten immer weniger nach Arbeitskräften gefragt. 60 bis 80 Prozent der Jobangebote seien zuletzt von Privathaushalten gekommen. Doch an kurzfristigen Jobs als Babysitter, Putzhilfe oder Gartenarbeiter verdienten die Studenten und Tusma nicht genug.

Die Insolvenz von Tusma beflügelt in Berlin das Geschäft der Konkurrenz: Die Heinzelmännchen, das ist die Jobvermittlung des Studentenwerks der FU Berlin, und die beiden privaten Anbieter Effektiv und Criteria (siehe Kasten) bemühen sich derzeit um die Unternehmen, die früher Tusma-Kunden waren. „Seit es Tusma nicht mehr gibt, haben wir mehr zu tun“, heißt es bei einigen.

Mehr Arbeit können die Jobvermittler gut gebrauchen. Die Heinzelmännchen, die im Jahr 2001 noch auf 26400 Vermittlungen kamen, schafften 2004 nur noch 18700. „Das Geschäft ist sehr viel schwieriger geworden“, sagt Rosita Lohmann vom Studentenwerk Berlin.

Für die Unternehmen sind die Jobvermittler attraktiv, weil sie für Arbeitgeber den ganzen bürokratischen Aufwand übernehmen und – falls sie überhaupt anfallen – Lohnsteuer, Sozialversicherungs- und Rentenbeiträge abführen. Die Jobsuchenden zahlen in der Regel eine Anmeldegebühr und eine Verwaltungsvergütung abhängig vom Lohn. Dafür werden sie auch schon mal angerufen, wenn es einen passenden Job für sie gibt.

Viele Unternehmen wüssten gar nicht, welche Vorteile es hat, Studierende zu beschäftigen, sagt Effektiv-Geschäftsführer Ratko Djokic. „Studierende sind die günstigsten Aushilfskräfte überhaupt“, wirbt er für seine Klientel. „Für fast alle Studierenden gilt, dass sie bis zu 50 Arbeitstage beitragsfrei und damit ohne irgendwelche Nebenkosten zur Sozialversicherung beschäftigt werden dürfen.“ Damit seien Studenten sogar billiger als Minijobber – und das sei ein Argument, das Studierende bei ihrer Bewerbung unbedingt erwähnen sollten.

Reichtümer lassen sich bei den Studentenjobs nicht anhäufen. Je nachdem bei welchem Vermittler man fragt, liegt der Lohn bei etwa sechs bis acht Euro die Stunde. „Inzwischen arbeiten die Studenten aber auch für weniger“, sagt Lohmann vom Studentenwerk. Wer jedoch eine fachliche Qualifikation nachweisen kann, kann auch besser bezahlte Jobs ergattern.

Vielfach werden Büro- und Pflegekräfte, Mitarbeiter für Callcenter und Aushilfen in der Gastronomie gesucht. Beliebt soll bei einigen Studenten auch das Möbeltragen sein. Derzeit sucht Effektiv auch noch Chemielaboranten. Wer Glück hat, kann den Ferienjob mit einem Auslandsaufenthalt verbinden: Effektiv hat auch schon einmal einen Architekturstudenten an eine deutsche Baufirma für ein Projekt in Afrika vermittelt und einen Studenten als Dolmetscher auf eine Baustelle in Italien geschickt. Beliebt sind Jobs, die praktische Erfahrungen für das eigene Studienfach liefern. So suchte etwa die Studentenjobvermittlung in Dahlem Archäologiestudenten für „leichte Schaufelarbeiten“ bei einer Ausgrabung am Spandauer Burgwall. Hilfskräfte für die Produktion werden hingegen in Berlin fast überhaupt nicht mehr gesucht.

Wer sich ohne die Hilfe einer studentischen Jobvermittlung auf die Suche macht, kann im Internet oder in Zeitungsinseraten fündig werden. Doch die Stiftung Warentest warnt: Hinter manchen Angeboten stecken Betrüger: „Wo viel versprochen wird, da muss man vorsichtig sein“, sagt Test-Redakteur Michael Bruns. So etwa bei Angeboten wie: Verdienen sie 1000 Euro pro Monat nebenbei, keine Vorkenntnisse erforderlich. Vor allem von Angeboten, bei denen der Arbeitsuchende erst einmal Geld ausgeben soll, zum Beispiel um Material zu kaufen oder ein Seminar zu besuchen, rät Bruns ab. „Der Jobsuchende will ja schließlich Geld verdienen. Bei diesen Jobs bleibt er aber meist auf den Kosten sitzen, nur der Anbieter macht sein Geschäft.“

Das gelte auch für Castingagenturen, die jungen Menschen eine große Karriere versprechen und für Fotos und den Abdruck in einem Katalog vorab bis zu 900 Euro verlangen. „Das ist Abzockerei“, sagt Bruns. Es würden zwar zum Teil sogar Kataloge gedruckt, aber die seien das Geld nicht wert und landeten ungelesen im Papierkorb. Ein weiteres Indiz für unseriöse Angebote sei, dass in den Inseraten keine Firmennamen genannt werden. Aber es gebe auch ein untrügerisches Zeichen für seriöse Jobangebote: „Das was keiner machen will, das ist meist seriös.“

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