Zeitung Heute : Was kann und was muss geschehen?

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Am Anfang steht das Gespräch : Wer mit Rückenschmerzen zum Arzt kommt, sollte zunächst genau über den Beginn, die Dauer, den genauen Ort und die eventuelle Ausstrahlung der Schmerzen befragt werden. Ganz wichtig ist auch die Frage nach Lähmungen und Missempfindungen, etwa in Bein und Fuß, und nach Störungen der Funktion von Blase und Enddarm. Außerdem gehören Tests der Beweglichkeit und der Reflexe dazu. Der Einsatz Bild gebender Verfahren ist dagegen meist nicht gleich zu Beginn und auf keinen Fall bei allen Patienten nötig. Für derartige Verfahren werden heute hochsensible technische Geräte eingesetzt, die die Wirbelsäule und die umgebenden Körperpartien mit Nerven, Muskeln und Bändern abbilden können. Nach dem Abschluss der Untersuchungen klärt der Arzt über die Ergebnisse auf und bespricht, welche Behandlung sinnvoll ist.

Bei akuten Schmerzen in der Lendenwirbelsäule entlastet beim Liegen meist die Stufenlagerung. Dabei bilden Ober und Unterschenkel, auf einen Würfel oder Hocker gebettet, einen rechten Winkel. Statt längerer Bettruhe wird heute einhellig möglichst schnelle Rückkehr zum normalen, bewegten Alltag empfohlen. Dabei helfen verschieden starke Mittel gegen die Schmerzen und die Entzündung, eventuell auch gegen Muskel-Verspannungen.

Krankengymnastik gilt vor allem als hilfreich, wenn die erlernten Übungen selbstständig weitergeführt werden. In Rückenschulen werden neben Muskelübungen und Alltagstipps auch Informationen über die Anatomie und Funktion des Rückens gegeben. Die Übungen helfen zudem, den Sinn für Bewegungen, Belastung und Ausgleich zu bekommen. Es hat sich allerdings gezeigt, dass es keine „richtigen“ oder „falschen“ Bewegungen gibt, sondern je nach Situation angenehme, günstigere oder ungünstigere. Wer sich immer gerade hält und sich nie lümmelt, beansprucht den Bewegungsapparat auch einseitig. Für Menschen mit gelegentlichen Rückenproblemen ist es schädlich, jede Belastung zu vermeiden. Die Gelenke „rosten ein“ und die Muskeln werden geschwächt. Fachleute halten zeitlich begrenzte Programme vor allem dann für sinnvoll, wenn das Leiden droht, chronisch zu werden. In den Leitlinien der einschlägigen medizinischen Fachgesellschaften werden auch das Erlernen von Entspannungsverfahren oder eine Verhaltenstherapie als sinnvolle Maßnahmen genannt.

Ein Bandscheibenvorfall gilt heute nicht mehr ohne weiteres als Grund für einen chirurgischen Eingriff. Operiert werden muss nur, wenn bei durchbrochenem Bandscheibenring durch Druck auf die Nervenwurzel neurologische Ausfälle auftreten, so heißt es in den Therapieempfehlungen der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft. Neben der „klassischen“ offenen Operation gibt es heute auch die Möglichkeit, in „Schlüssellochtechnik“ unter Kamerakontrolle die Geräte durch ein biegsames Rohr einzuführen. Außerdem kann man störendes, auf die Nerven drückendes Gewebe mittels chemischer Substanzen auflösen, die über einen Katheter an den Ort des Geschehens gebracht werden. aml

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