Zeitung Heute : Was macht das Speed?

Der Tagesspiegel

Von Klaus Angermann

Breitbandige Internet-Nutzung ist in Deutschland auf dem Vormarsch. Die Telekom hat bis Ende 2001 trotz Versorgungsengpässen bereits über zwei Millionen Kunden mit dem schnellen T-DSL-Anschluss versorgt. Seit diesem Jahr haben potenzielle DSL-Kunden neben Mehrkosten jedoch die Qual der Wahl, denn nun gibt es das klobige DSL-Modem im Badeschränkchen-Design von T-Online nicht mehr kostenlos bei einer Neuanmeldung dazu. Neukunden müssen sich daher wie schon bei ISDN oder einem analogen Anschluss das Modem selber kaufen und sich dafür auf dem freien Markt informieren.

Ausgerechnet jetzt, wo sich der Verkauf unsubventionierter Hardware-Adapter endlich lohnen könnte, ging Elsa, ein führender Hersteller für Kommunikationslösungen wie Modems, die finanzielle Luft aus und musste Insolvenz beantragen – und demzufolge seinen Auftritt bei der in der kommenden Woche startenden Computermesse CeBIT absagen. Kein Problem für die Konkurrenz, denn in Hannover stehen zahlreiche Anbieter bereit, um für schnelle DSL-Adapter-Lösungen zu werben.

Als erster Anbieter hat der Berliner Kommunikationsspezialist AVM, weltweit Branchenführer bei ISDN-Modems und -Anwendungen, mit der FRITZ!Card DSL ein Kombimodem entwickelt, das (für 149 Euro) als interne Lösung sowohl über DSL als auch über ISDN den Weg ins Internet ermöglicht. Der Kunde kann mit dieser Karte bequem von Office-Anwendungen aus direkt faxen und muss nicht zusätzliche Hardware kaufen, um beispielsweise via T-DSL mit bis zu 768 Kilobit pro Sekunde im weltweiten Datenmeer zu surfen. Eine andere bequeme Variante für den Consumer sind Telekommunikationsanlagen, die in einer kompakten Telefonanlage außer der Telefonie oder dem Fax-Anschluss auch noch ISDN und DSL anbieten. Eine solche Lösung stellt die Auerswald GmbH mit dem Compact 2104 DSL vor: Während man via DSL im Internet Daten lädt oder E-Mails abruft, bleiben die zwei ISDN-Kanäle fürs Faxen und Telefonieren frei, die integrierte SMS-Funktion verwaltet gleichzeitig die beliebten Kurznachrichten.

Schluss mit dem Kabelsalat versprechen drahtlose DSL-Lösungen wie die Station von 1stWave. Der Anbieter von Funk-Netzwerkprodukten zeigt seinen WAVEMAXX PRO, dessen integrierter DSL-Router via Funk in einem Netzwerk angesteuert wird und so auch das Surfen mit dem Notebook auf der Couch gestattet, ohne dass meterweise Kabel verlegt werden müssen. Allerdings sind bei dieser Technik zusätzlich entsprechende Funkkarten für PC oder Notebook sowie ein DSL-Modem einzuplanen.

Bei den Konsumenten spielt die asynchrone DSL-Variante die erste Geige. Zwar könnte man laut der Optical Access GmbH ihrem Modem Datenübertragungen bis zu 10 Megabit pro Sekunde entlocken, aber der private Anwender dürfte in der nächsten Zeit kaum etwas von dieser Technologie haben – zu teuer. Wer alternativ über den Strom aus der Steckdose, der so genannten „Powerline“, schnell und breitbandig surfen will, hat ein Problem, denn nur in wenigen Städten wird dieser Dienst, der synchron eine gleich hohe Datenmenge als Up- oder Download realisiert, angeboten. Ein weiterer Flaschenhals: Der bei hohem Datendurchsatz relativ günstige Zugang ist beispielsweise beim Energieversorger RWE mit langen Wartefristen versehen. Dem zaghaften Start des drahtlosen Wireless Local Loop (WLL) folgten zumeist Unternehmenspleiten.

Schneller zu verwirklichen dürfte die Surf-Lösung aus dem Himmel sein. Die Berliner Strato AG hat sky-DSL im Programm. Allerdings ist diese Satelliten-Lösung nur beim Herunterladen richtig schnell und greift zudem bei Überschreitung des Transfer-Volumens ins Portemonnaie. Telekom oder Tiscali wollen im ersten Quartal ihre Satelliten-Pilotphasen abgeschlossen haben und zur Markteinführung übergehen. DSL wird für Privat-Surfer nach wie vor erste Wahl bleiben, die Gerätevielfalt von extrem klein bis multifunktional und funktauglich auf der Messe lohnt den Vergleich – die nächsten Monate versprechen im Breitbandsektor spannend zu werden.

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