• Was macht Pelé den ganzen Tag? „Bleibt Brasilien Weltmeister? Wie ist es denn so in Berlin?“ Pelé beantwortet jede Frage mit stoischer Geduld

Zeitung Heute : Was macht Pelé den ganzen Tag? „Bleibt Brasilien Weltmeister? Wie ist es denn so in Berlin?“ Pelé beantwortet jede Frage mit stoischer Geduld

Die brasilianische Legende Edson Arantes do Nascimento eilt von einem PR-Termin zum nächsten. Dabei wird er immer mehr zu einer Art Grüßonkel im Sommeranzug – bezahlt von einem Kreditkartenunternehmen. Doch die letzten Spiele dieser Weltmeisterschaft will auch einer wie Pelé einfach nur in Ruhe anschauen.

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Pelé muss warten. Er steht in einer Ausstellung zu seinen Ehren im Bahnhof Potsdamer Platz und vertreibt sich die Zeit mit Autogrammeschreiben. Nach zehn Minuten kommt Franz Beckenbauer, der Rundgang kann beginnen. In diesem Moment scheint es so, als ob Beckenbauer der Wichtigere von beiden ist.

Die gesamte Weltmeisterschaft über weilt Edson Arantes do Nascimento – so sein bürgerlicher Name – in Deutschland. Er besucht die Spiele und ausgesuchte Fernsehstudios, und immer wieder sagt er, wie glücklich er sei, dass Ronaldo jetzt drei WM-Tore mehr geschossen hat als er. Pelé hat zwölfmal getroffen. Doch mehr als seine Tore hat ihn sein Aufstieg aus armen Verhältnissen zur Legende gemacht.

Die Ausstellung im Berliner Bahnhof Potsdamer Platz (täglich 10 bis 22 Uhr; Eintritt fünf Euro) zeigt noch einmal die Ursprünge dieser Karriere. Sie begann mit dem Trauma von 1950, als Brasilien gegen Uruguay das WM-Finale verlor und Pelé seinem heulenden Vater versprechen musste, die Schmach wieder gutzumachen. Schon 1958 löste er das Versprechen ein – Pelé wurde der erste 17 Jahre junge Weltmeister.

Was machen Legenden den ganzen Tag? Pelé hat sich entschieden, diese Frage vorrangig von „Mastercard“ beantworten zu lassen. PR-Termine reihen sich seit Wochen aneinander, auf der Berliner Fanmeile, in der Adidas-Arena oder vor der WM beim Fifa-Kongress in München. In der „Pelé-Station“ hängen Werbebanner des Sponsors. Ein bisschen hat Pelé seine Lebensgeschichte auf einer Kreditkarte gespeichert. Wenn man ihn darauf anspricht, lacht er: „Das ist Demokratie.“

Er ist ein Grüßonkel, der immer im makellosen hellen Anzug daherkommt und dessen Lächeln nie verfälscht wirkt. Wenn ihm irgendwer einen Ball reicht, schreibt Pelé behutsam sein Autogramm darauf, mit stiller Konzentration setzt er das Akzentzeichen über das zweite „e“ seines Namens. Im PR-Rummel vor dem Turnier wirkte er zuweilen deplatziert, etwa als er für die Vorstellung des WM-Maskottchens Goleo extra nach Leipzig kam. Jetzt möchte er lieber die letzten Spiele genießen. Große sportpolitische Funktionen hat Pelé nicht mehr. Er war Sportminister in Brasilien – lange her.

Manchmal sagt er durchaus bedenkenswerte Dinge, zum Beispiel, dass die wegen der vielen Gelben und Roten Karten gescholtenen Schiedsrichter die Spieler doch nur schützen wollen. Es fragt ihn nur kaum jemand danach. Alle wollen wissen, ob Brasilien Weltmeister wird.

Pelé hat jüngst eine CD aufgenommen – mit einer Mischung aus Bossanova und Hip-Hop. Dieses Album klingt nicht anbiedernd oder bezahlt, eher einfach enthusiastisch. Mit Beckenbauer liegt sich Pelé gerne in den Armen, „er ist mein Freund und Bruder“. Auch das meint er sicher so, wie er es sagt.

Am Ende des Rundgangs durch die Ausstellung zu seinem Ehren schreibt Pelé wieder Autogramme. Jugendliche bestürmen ihn, wollen Handyfotos mit ihm machen und ihn anfassen. In diesem Moment ist Pelé wieder ganz Legende. Franz Beckenbauer steht neben ihm. Robert Ide

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