Zeitung Heute : WAS MACHT SACHSEN-ANHALT BESSER ALS BRANDENBURG?

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Jan-Hendrik Olbertz,

Kultusminister von Sachsen-Anhalt

Zunächst muss man den Pisa-Erfolg Sachsen-Anhalts, so erfreulich und vor allem ermutigend er für die Schulen ist, durchaus mit kritischer Distanz betrachten. Bis jetzt bezieht sich der enorme Entwicklungssprung des Landes nur auf den ersten Messpunkt (Pisa 2000), bei dem die Ergebnisse aus verschiedenen Gründen möglicherweise nicht realistisch ausgefallen sind. Eine seriöse Bewertung der Entwicklung, die sich daran anschloss, ist erst nach dem dritten Messpunkt (also Pisa 2006) möglich.

Das tut dem Erfolg, der bundesweit Beachtung fand, natürlich keinen Abbruch. Er kann aber nicht bereits unmittelbares Ergebnis einer besseren Schulpolitik sein, sondern ist zunächst vor allem Folge eines veränderten (durch zahlreiche bildungspolitische Initiativen allerdings wesentlich ausgelösten und bestärkten) neuen Lern- und Leistungsklimas im Land.

Zunehmend hat sich in Sachsen-Anhalt die Erkenntnis durchgesetzt, dass eine Bildungspolitik, die sich nur auf Strukturfragen beschränkt, wenig Aussicht hat, zu einer guten Schule beizutragen. Im Gegenteil: Seit den siebziger Jahren haben uns die wiederkehrenden Neuauflagen fruchtloser Debatten über die Gliederung des Systems von überfälligen Schritten einer inneren Schulreform abgehalten.

Die Schulentwicklung in Sachsen-Anhalt setzt vor allem auf ein neues Qualitätsbewusstsein und auf Kontinuität. Zahlreiche Initiativen der Schulen im Rahmen der geförderten Schulprogrammarbeit, der Entwicklung eigener Schulprofile, von Projekten im Ganztagsbereich sowie regelmäßige Schulleistungsvergleiche befördern diese Entwicklung. Schon mit dem Regierungswechsel 2002 wurden solche Schritte in die Wege geleitet – von der vorschulischen Bildung, einer Stärkung der Fächer Deutsch und Mathematik in den Stundentafeln der Grund- und der Sekundarschule über die Entwicklung kompetenzorientierter Lehrpläne bis hin zu den verbindlichen Kernfächern in der Gymnasialen Oberstufe.

Neben der gewachsenen Anstrengungsbereitschaft in der Schülerschaft gibt es auch eine höhere Sensibilität der Eltern. Sie werden z.B. durch Initiativen des Landeselternrates, durch den Abschluss von Elternverträgen an den meisten Grundschulen und eine gesetzlich geregelte Informationspflicht der Schulen unterstützt. Volljährige Schüler können solchen Informationen an ihre Eltern zwar widersprechen, aber dann sind die Eltern – so steht es im Schulgesetz – eben über diesen Umstand zu unterrichten.

Wichtig ist eine individuelle Förderkultur, die im Falle des Zurückbleibens oder auch zur Förderung besonderer Begabungen rechtzeitig greift und verschiedene Maßnahmen bündelt. Die Schulen müssen an die Stärken ihrer Schülerinnen und Schüler anknüpfen und sie in ihrer Selbstgewissheit stärken. Jeder kann etwas, keiner kann alles und niemand kann nichts. Diese Einsicht sollte das Credo einer jeden guten Schule sein.

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