Zeitung Heute : Was Mitarbeiter an Chefs gar nicht mögen

Hartmut Volk

"Es gibt Eigenschaften bei Vorgesetzten", sagt Thomas Weegen, "die sich auf die Leistungsfreude der Mitarbeiter ganz unmittelbar auswirken - völlig unabhängig von Alter, Geschlecht und persönlichen Einflüssen". Das sich daraus ableitende Verhalten muss nach Überzeugung des Geschäftsführers der Münchner Unternehmensberatung Coverdale Team Management Deutschland "unbedingt bewusst gemacht werden." Andernfalls seien "Leistungseinbrüche bei den Mitarbeitern nicht zu verhindern".

Für die zehn folgenreichsten Verhaltensfehler von Vorgesetzten liefert Thomas Weegen die Begründung gleich mit. Was Mitarbeiter seiner Überzeugung nach gar nicht mögen - und wie sich ein wirklich kluger Chef verhalten sollte:

Die Sucht, alles selbst zu bestimmen. Denn: Engagement verträgt sich schlecht mit Bevormundung. Engagierte Mitarbeiter wollen Entscheidungs- und Handlungsfreiräume. Ihr Lebenselexier ist ein Vorgesetzter, der ihnen im Zweifelsfall mit Rat und Tat zur Seite steht - und sie dann wieder zufrieden lässt. Werden sie von einem Oberaufpasser-Vorgesetzten an der kurzen Leine geführt, erlischt ihr Feuer.

Geheimniskrämerei. Denn: Engagement braucht Informationen. Engagierte Mitarbeiter wollen wissen, was sich tut, was geplant ist, wo es Erfolge und wo es Probleme gibt. Sie verstehen ihren Vorgesetzten als Informationsbroker und erwarten von ihm unbedingte Offenheit. Für sie ist es eine Selbstverständlichkeit, sich mit Kollegen auf informellen Wegen nach Bedarf kurzzuschließen. Auf den Missbrauch von Information als Gunstbeweis oder Disziplinierung reagieren sie mit Leistungsverweigerung.

Entscheidungsschwäche. Denn: Engagement verlangt klare Verhältnisse. Engagierte Mitarbeiter legen Wert auf eindeutige Aussagen, zügige Entscheidungen, Risikobereitschaft, konsequente Beseitigung von einschränkenden Unsicherheitselementen. Halten sich ihre Vorgesetzten aus Angst, taktischer Vorsicht, machtpolitischem Kalkül oder in der Absicht, einen gegen den anderen auszuspielen, stets wohl bedeckt, reagieren sie mit "Dienst nach Vorschrift".

Unberechenbarkeit. Denn: Engagement lebt von Glaubwürdigkeit. Engagierte Mitarbeiter wollen wissen, woran sie mit ihrem Vorgesetzten sind. Wird dessen persönliche Tagesstimmung zur ausschlaggebenden Grundlage der allgemeinen Umgangsqualität, werden Lob und Kritik aus der individuellen Laune heraus ausgesprochen, erweist sich Gunst als Maß aller Dinge, versiegt die Arbeitsfreude.

Sprunghafte Zielwechsel. Denn: Engagement nutzt in erheblichem Maße Konzentration als Kraftquelle. Engagierte Mitarbeiter sind flexibel in der Vorgehensweise, aber beharrlich und zielorientiert in der Sache. Der Sinn ihres Tuns muss ihnen verständlich sein. Springen Vorgesetzte ohne nachvollziehbare Gründe planlos, unstet und ungeduldig von Ziel zu Ziel, entziehen sie engagierten Mitarbeitern die notwendige Basis für jedwede kraftvoll-kreative Leistungsfokussierung.

Taube Ohren. Denn: Engagement braucht das Gespräch. Engagierte Mitarbeiter haben etwas zu sagen. Doch sie wollen nicht nur berichten. Sie wollen definitiv mitreden und tatsächlich Gehör finden. Kluge Vorgesetzte wissen: Die überlegene Leistung entwickelt sich im Dialog. Nicht selber reden, zuhören ist eine der Mütter des Erfolges. Monologisierende Vorgesetzte sind die Totengräber jedweden Engagements.

Konfliktscheu. Denn: Engagement ist undenkbar ohne Auseinandersetzung. Engagierte Mitarbeiter, Eigensinn, unorthodoxe Ideen, außergewöhnliche Vorgehensweisen und Widerspruch gehören zusammen. Vorgesetzte, die diese geballte Ladung Energie zu deckeln versuchen, schütten die betrieblichen Goldminen zu. Gefragt ist der prozesskompetente Vorgesetzte mit der Fähigkeit zur Moderation, der mit situativer Emotionalität umzugehen versteht, der ausgleicht, ohne abzuwürgen, der das Ziel ansteuert, ohne auf den Weg zu pochen.

Misstrauen. Denn: Engagement verkümmert ohne Vertrauen. Engagierte Mitarbeiter entwickeln ihre überdurchschnittliche Leistungsfähigkeit wesentlich aus dem Spannungsfeld von Versuch und Irrtum. Fehler sind für sie Wegweiser zum Ziel. Wird dieser Spannungsbogen laufend unterbrochen, zerbricht das Engagement. Noch schlimmer sind Chefs, die jeden Fehler für ein Indiz von Unfähigkeit halten.

Klugscheißerei. Denn: Engagement kennt keine unumstößlichen Wahrheiten. Engagierte Mitarbeiter stellen ständig infrage. Sie sind laufend damit beschäftigt, sich mit ihrem ureigenen Puzzle aus Wissen, Vermuten und Probieren an ihr Ziel und die Lösung der ihnen gestellten Aufgabe heranzutasten. Nichts steht ihnen dabei mehr im Weg als ein besserwisserischer Vorgesetzter. Engagierte Mitarbeiter wollen Unterstützung, artet sie aber in Bevormundung aus, ziehen sich zurück.

Selbstbeweihräucherung. Denn: Engagement braucht Gemeinschaftsgeist. Engagierte Mitarbeiter schöpfen und regenerieren ihre überdurchschnittliche Leistungsfähigkeit auch aus ihrem Umfeld. So bewusst sie sich einerseits abgrenzen, so sehr leben sie andererseits aus einem Wir - aus einem Zugehörigkeitsgefühl. Die Mitarbeiter verlangen nach Anerkennung, sind sich gleichzeitig aber auch der stimulierenden Wirkung ihrer Arbeitsgruppe sehr bewusst. Sie sind bereit, den Erfolg als Gemeinschaftsergebnis zu akzeptieren. Mit abrupter Leistungsverweigerung reagieren sie allerdings, wenn sich eins der Gruppenmitglieder in den Vordergrund spielt. Das ist ganz besonders der Fall, wenn es sich dabei ausgerechnet um den Vorgesetzten handelt.

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