Zeitung Heute : Was nicht wichtig ist, muss weiter modern

Der Tagesspiegel

Potsdam. Es knirscht und knartscht gewaltig in den historischen Mauern des Landes: Nur ein Zehntel der etwa 300 Bauwerke, die zur Stiftung Preußische Schlösser und Gärten gehören, befinden sich in einem einwandfreien Zustand, der übergroße Rest bedarf in mehr oder weniger dringendem Ausmaß der Instandsetzung und Restaurierung. Bei ihnen bedrohen undichte Dächer und Risse in den Mauern den Bestand, sind restaurierungsbedürftige Skulpturen oder veraltete Haustechnik an der Tagesordnung. Insgesamt bestehe ein Finanzbedarf von 500 Millionen Euro für die Grundsanierung, wie der Baudirektor der Stiftung, Alfons Schmidt, gestern in Potsdam erläuterte. Dem stünde aber lediglich ein Etat von 8,5 Millionen Euro pro Jahr gegenüber.

Damit, so Schmidt, müsse man „sehr überlegt“ vorgehen. Statt wie im Gießkannensystem Mittel auf alle Häuser zu verteilen, wolle man gezielt, nach Bedürftigkeit und Bedeutung der betreffenden Objekte vorgehen. Man habe die Qual der Wahl, und so lasse es sich nicht vermeiden, dass weniger wichtige Häuser erst nach 2015 mit der Sanierung rechnen können. Bei herausragenden Objekten dagegen gelten kürzere Fristen.

So sollen das Marmorpalais im Neuen Garten sowie Schloss und Marstall in Rheinsberg bis 2008 sowie das Babelsberger Schloss mit seinem Landschaftspark bis 2012 saniert sein. Beim Schloss Cecilienhof, der Gedenkstätte des Potsdamer Abkommens, mit seinem durch falsche Holzschutzmittel geschädigten Dach müsse schnell gehandelt werden. Da lange nichts für die Berliner Schlösser Charlottenburg, Grunewald und Glienicke aufgewandt wurde, habe sich ein erheblichen Sanierungsbedarf angesammelt. Im Falle des Schlosses Charlottenburg gebe es einen Sanierungsbedarf von „50 Millionen Euro plus x". Hinzu komme, dass in Charlottenburg bisher von der Galerie der Romantik genutzte Säle sowie die Räume des Vorderasiatischen Museums und des Ägyptischen Museums nach deren Umzug auf die Berliner Museumsinsel für ein Hohenzollern- beziehungsweise Kutschenmuseum hergerichtet werden sollen, was den ohnehin viel zu kleinen Bauetat weiter belasten wird. Helmut Caspar

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