Zeitung Heute : Was Obama nicht kann

Harald Martenstein

Theodore Roosevelt war Hilfssheriff. Später wurde er amerikanischer Präsident. Ein Land, das er nicht mochte: Spanien. Roosevelt war folglich entschiedener Befürworter eines Krieges gegen Spanien. Um an diesem Krieg mit einer Kavallerieeinheit teilzunehmen, legte er sogar sein Ministeramt nieder. Er tötete persönlich einen Spanier, worauf er stolz war. Später, als Präsident, vertrat er die Monroe- Doktrin, nach der die USA in ihrem Einflussgebiet gegen jeden Krieg führen dürfen, der ihre Dominanz nicht akzeptiert. Als in Russland eine Revolution ausbrach, warb er für einen Krieg gegen Russland. Den Russen sollte man es ungefähr so besorgen, wie man es den Spaniern besorgt hatte. Sein Hobby: Elefanten und Bären schießen. Als Roosevelt 1906 den Friedensnobelpreis erhielt, leuchtete dies nicht jedem ein.

Woodrow Wilson war vermutlich der entschiedenste Rassist, der nach dem Bürgerkrieg je US-Präsident war. Er lobte mehrfach den Ku-Klux-Klan, forderte die Hegemonie der weißen Rasse und bedauerte, dass die Sklaverei abgeschafft war. Immerhin gelang es ihm, im Militär und in der öffentlichen Verwaltung wieder strenge Rassentrennung einzuführen. Den Friedensnobelpreis bekam er wegen der Gründung des Völkerbundes 1919.

Der Internationale Währungsfonds fahndet seit Jahren nach etwa einer Milliarde Dollar, die spurlos verschwunden sind. Es handelt sich um internationale Hilfsgelder für die palästinensische Autonomiebehörde, die Verantwortung für das Verschwinden dieser Summe trägt Yassir Arafat. Man weiß nicht, ob diese Milliarde auf einem Privatkonto der Familie Arafat gelandet ist oder ob dafür Waffen besorgt wurden, mit denen während der zweiten Intifada israelische Zivilisten getötet wurden. Vieles spricht dafür, dass Arafat die Milliarde gesplittet hat und dass sie für beide Zwecke Verwendung fand. Es ist klar, dass auch Arafat dringend den Friedensnobelpreis bekommen musste. Den tragikomischsten Friedensnobelpreis hat aber 1973 Henry Kissinger bekommen, für die Beendigung des Vietnamkrieges. Der Krieg ging noch zwei Jahre weiter. Nur das Nobelpreiskomitee dachte offenbar, dass der Krieg vorbei ist.

Viele sagen, Barack Obama, ja, gut, aber den Friedensnobelpreis hat er irgendwie nicht verdient. Er hat doch politisch noch fast gar nichts geleistet, er hat doch bis jetzt lediglich vernünftige Ansichten geäußert und sieht gut aus, was auch auf George Clooney, Senta Berger und den Fernsehkoch Christian Rach zutrifft. Den Friedensnobelpreis kriegen, wie gesagt, auch Leute, die besonders rassistische Gesetze einführen, besonders korrupt sind oder Kriege anfangen, aber nicht einmal das hat Obama bisher geschafft.

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