Zeitung Heute : Was setzt sich fort

Ruth Ciesinger

Der Nationale Ethikrat will in dieser Woche eine Stellungnahme zum Klonen abgeben. Was wäre, wenn der Rat sich nicht auf eine einheitliche Empfehlung einigen kann?

Im Februar will der Südkoreaner Hwang Woo Suk aus geklonten Embryonen Stammzellen gewonnen haben, in der vergangenen Woche hat ein Forscherteam der Universität Newcastle die Erlaubnis zum therapeutischen Klonen bekommen, und Mitte September werden die UN nach knapp zwei Jahren wieder über ein weltweites Klonverbot debattieren. Alles Gründe, warum die Haltung des Nationalen Ethikrates in Deutschland zum bestehenden Klonverbot von so großem Interesse ist. Doch die Frage ist so heikel, dass der Rat, besetzt mit Naturwissenschaftlern, Juristen und Philosophen, am Donnerstag kaum zu einer einheitlichen Stellungnahme kommen wird.

Der Vorsitzende Spiros Simitis erwägt vorsorglich eine Sondersitzung, falls sich die 25 Ratsmitglieder nicht einigen sollten. Nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ will eine Mehrheit das therapeutische Klonen zulassen – also das Klonen von Embryonen zur Gewinnung von Stammzellen und nicht zur Fortpflanzung wie beim reproduktiven Klonen. Nun wird gemutmaßt, das Gremium könne statt einer dezidierten Empfehlung schlicht die unterschiedlichen Meinungen präsentieren. Damit würde sich der 2001 vom Kanzler eingesetzte Rat freiwillig von seiner Rolle als politischer Wegweiser verabschieden. Die Klondebatte aber ist damit – auch wenn sich an der deutschen Gesetzeslage erstmal wohl nichts ändern wird – nicht vom Tisch. Das Dilemma, in dem der Nationale Ethikrat offenbar steckt, zeigt vielmehr, wie schwer die moralische Debatte über das Für und Wider in den Griff zu bekommen ist. Und mit der Anregung des Ethikrat-Chefs Simitis, der Bundestag solle seine Haltung zum generellen Klonverbot noch einmal debattieren, hat die Auseinandersetzung erneut die Politik erreicht.

Der Bundestag hat seine eigene Enquetekommission zu Ethikfragen, die klarer ist in der Ablehnung des therapeutischen Klonens. Erst im vergangenen Jahr hat sich eine große Mehrheit aller Abgeordneten für ein weltweites Klonverbot ausgesprochen. Doch seit der britischen Entscheidung fordern die Befürworter wieder die Erlaubnis zum Klonen menschlicher embryonaler Stammzellen zu therapeutischen Zwecken. Zu tatsächlichen Gesetzesänderungen wird es aber vermutlich erst kommen, wenn Wissenschaftler in anderen Ländern Erfolg bei der Bekämpfung von Krankheiten mit Hilfe embyronaler Stammzellen vorweisen können.

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