Zeitung Heute : Was Tanztherapie bewirkt

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Über die Wirksamkeit von Tanztherapie sind die Experten geteilter Ansicht. Der Gesetzgeber zumindest hat sie im Psychotherapeutengesetz von 1998, in dem geregelt wird, wer wie therapieren darf, nicht berücksichtigt. Therapeuten, die eine eigene Praxis betreiben, können also nicht mit der Krankenkasse abrechnen – die 30 bis 50 Euro, die Stunden normalerweise kosten, muss man aus eigener Tasche bezahlen, sagt Elke Willke, Geschäftsführerin der Deutschen Gesellschaft für Tanztherapie in Köln.

In vielen Kliniken gehöre Tanztherapie aber schon zum Programm, meist als Ergänzung zur klassischen Psychotherapie, sagt Willke. In die Privatpraxen kämen Patienten, die sich zum Beispiel für zu schüchtern halten oder die sich nicht durchsetzen können. In ihren Sitzungen stellt Willke den Patienten – meist Frauen – Aufgaben, zum Beispiel: Tanze Entschiedenheit! Denn der Körper könne ausdrücken, was der Geist verdrängt hat. Vor allem bei KörperTraumata, von Folteropfern beispielsweise oder auch bei Bulimiekranken sei Tanz geeignet, sagt die Therapeutin. Allerdings: Ein bis zwei Jahre müsse man schon damit arbeiten.

Psychotherapeuten, die der klassischen Gesprächsmethode anhängen, sind da vorsichtiger – vielen erscheinen die Tänzer noch als Hippies der Szene. Etwa ein Viertel der Kollegen, vielleicht auch weniger, würden Tanz als Ergänzung empfehlen, schätzt Maria Jockers-Scherübel, Oberärztin an der Ambulanz für Psychiatrie und Psychotherapie des Klinikums Benjamin Franklin. Jockers-Scherübel selbst steht dem Tanzen eigentlich freundlich gegenüber. Sie hat sogar eine Patienten-Tanzstunde eingerichtet. Dennoch rät sie dringend davon ab, bei handfesten Störungen allein auf Tanztherapie zu setzen. rcf

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