Zeitung Heute : Was tun gegen schlechten Atem?

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Es könnte einem glatt den Appetit verderben: Jeden Tag wachsen in unserer Mundhöhle zig Milliarden Bakterien heran – die meisten unter einer Schleimschicht auf dem hinteren Teil der Zunge. Unter den Winzlingen sind viele, die man „anaerob" nennt, weil sie ohne Sauerstoff auskommen. Sie ernähren sich, indem sie EiweißMoleküle aus Nahrungsresten oder abgestorbenen Zellen unserer Mundschleimhaut in ihre Bauteile zerlegen – darunter 20 verschiedene Aminosäuren. Dummerweise enthalten zwei davon Schwefel, der dazu neigt, sich mit anderen chemischen Elementen zu übelriechenden flüchtigen Verbindungen zusammenzutun. Besonders heftig stinkt Methantiol, das auch in Darmwinden vorkommt, kaum angenehmer Dimethylsulfid.

Beide Stoffe sind vor allem schuld am Mundgeruch. Abstoßender Atem kann zwar auch im Magen oder sogar in Kehle, Nase und Nasennebenhöhlen entstehen, aber: „In 95 Prozent der Fälle rührt er vom Mundraum her", sagt der Zahnarzt Jon Richter, Gründer und Leiter des gleichnamigen Zentrums für Atemfunktionsstörungen in Philadelphia/USA.

Zwar kann man versuchen, die Bakterienschicht auf der Zunge mit einer Zahnbürste wegzuschrubben oder mit einer Spezialspange abzukämmen. Doch das hilft nicht immer. Ratsam ist es auf jeden Fall, die Zähne und deren Zwischenräume nach jeder Mahlzeit von Essensresten zu befreien. Auch sollte man einen trockenen Mund vermeiden. Denn ein zu schwacher Speichelfluss, wie er nachts üblich ist, fördert Mundgeruch – daher auch der üble Atem beim Erwachen. Auch Krankheiten können den Atemgeruch verändern. Schwere Lebererkrankungen erzeugen einen mäuseartigen Geruch; manche Nierenkranke, aber auch Menschen auf Diät riechen aus dem Mund nach Urin; Zuckerkranke nach Aceton, das in Nagellackentfernern vorkommt.

Wer hartnäckig an Mundgeruch leidet, sollte den Hausarzt befragen, um Krankheiten als Verursacher auszuschließen – Pilze im Verdauungstrakt etwa, Karies, Magenschleimhaut-Entzündung oder vereiterte Rachenmandeln. In ihnen, aber auch im Wandgewebe der Speiseröhre können sich taschenartige Ausstülpungen (Divertikel) bilden, in denen sich gerne Bakterien tummeln. „Die müssen operativ entfernt werden", rät der Zahnarzt Bruno Raddatz, der in Durmersheim bei Karlsruhe eine „Mundgeruch-Praxis" führt.was

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