Zeitung Heute : Was tun, wenn der Virus kommt?

Ohne aktuelle Schutzprogramme und andere Vorsichtsmaßnahmen wird der Gang ins Internet zum unkalkulierbaren Wagnis

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Von Kurt Sagatz

Sie manipulieren, sie zerstören, sie richten erheblichen finanziellen Schaden an: Seit gut zwei Jahren hat die Bedrohung durch Computerviren, die über das Internet übertragen werden, ein Ausmaß angenommen, das über ein verschmerzbares Ärgernis weit hinausreicht. Bereits der „I love you“-Virus veränderte Musikstücke und Bilddateien so, dass sie nach der Beseitigung des Virus nur noch gelöscht werden konnten. Wurm „Nimda“ zerstörte im schlimmsten Fall den gesamten Inhalt der Festplatte und nun droht mit den beiden Viren „Opaserv“ und dem noch rabiateren „Bugbear“ das Ausspähen von sicherheitsrelevanten Passwörtern bis hin zu Kreditkarten-Daten und Online-Banking-Informationen. Wer angesichts dieser Bedrohung noch schutzlos durch das Internet surft, wird sich kaum auf Treu und Glauben herausreden können, wenn seine Geheimdaten missbraucht werden.

Für die Einschätzung der konkreten Gefahr spielt es überdies keine Rolle, ob der eigene Rechner von der jeweils aktuellen Virenwelle verschont bleibt oder nicht. Nach dem Virus ist hier vor dem Virus, wobei die Folgen eines Befalls derzeit mit jeder Weiterentwicklung verheerender werden. Auch der Umstand, dass die meisten per E-Mail verteilten Viren zuerst den englischsprachigen Raum erreichen, weil deutsche Nutzer bei englischen Betreff-Zeilen eher stutzig werden, stellt keinen dauerhaften Schutz dar. Auf kurz oder lang erreichen auch diese Viren mit modifizierten Anschreiben die deutschen Adressaten. Zudem ist es kaum noch möglich, sich und seinen Computer durch umsichtiges Verhalten selbst zu schützen, da sich gerade die neuen Virengenerationen quasi unbemerkt über die Netzwerkprotokolle fortpflanzen oder sich unsichtbar in unverdächtigen Internet-Wirtseiten eingepflanzt haben. Ein effektiver Schutz muss somit anders aussehen.

Die wichtigste Schutzeinrichtung ist ein Virenscanner, der ständig im Hintergrund arbeitet und auch den Internet- und E-Mail- Verkehr überwacht. Gekauft werden sollte nur Anti-Viren-Software, bei der die Erkennungsdateien online aktualisiert werden können – und dies für einen möglichst langen Zeitraum. Die Online-Aktualisierung sollte wöchentlich erfolgen.

Auch das Betriebssystem und die Anwendungsprogramme gilt es regelmäßig auf Sicherheitsupdates zu überprüfen. Windows informiert automatisch über kritische Udpates, die in jedem Fall installiert werden sollten. Doch auch bei den Anwendungsprogrammen können sich Sicherheitslücken auftun. So hat sich „I love you“ unbemerkt über eine Funktion des Microsoft-Organizer- und -Mail-Programms Outlook verbreitet, die Multimedia-Dateien auch ohne Zutun des Nutzers aktivierte. Darum sollten auch die Office-Programme regelmäßig überprüft werden, damit hier keine Hintertüren für neue Viren entstehen. Bei Microsoft-Office ist die Update-Seite direkt über die gleiche Seite wie für die Windows-Updates zu erreichen.

Selbst die besten Anti-Viren-Programme sind jedoch den Entwicklern von besonders aggressiven Viren immer einen Schritt zurück. Das gleiche gilt für die Windows-Patches und die Programm-Updates. Der eigentliche Schutz beginnt somit bereits weit vor dem Einsatz entsprechender Zusatzprogramme: Die wohl wichtigste Regel besagt, dass Passwörter nur auf dem Computer gespeichert werden sollten, wenn dies – wie bei der Windows-Anmeldung - nicht zu vermeiden ist. Alle anderen Zugangskennungen für den Internet-Account, die Anmeldung auf Internetseiten, den Zugang zum Homebanking sowie alle übrigen PINs und TANs gehören nicht auf die Festplatte, da der Aufenthaltsort der Passwort-Dateien zumeist standardisiert und somit auch den Virenprogrammierern bekannt ist.

Für den Fall, dass trotz aller Vorkehrungen ein Virus auf den Rechner gelangte, gilt es, den Schaden durch Vorbeugung gering zu halten. Regelmäßige Sicherheitskopien von allen persönlichen Dokumenten und Daten, von Musikstücken und Digitalfotos, aber auch von E-Mails, Internet-Favoriten und aus dem Internet geladenen Treibern erleichtern die Neueinrichtung des Computers.

Hersteller-unabhängige Infos unter:

www.zdnet.de/itsupport/virencenter/

virencenter-wc.html

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